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Weniger Bürokratien, mehr Freiheit für Unternehmer – die Wirtschaftsjunioren Fulda wollen sich auch 2020 für junge Unternehmen stark machen. Die Vorstandsmitglieder von links: Rebecca Kreß, Elisabeth Kleinschmidt, Pascal Weß, Johannes Keller, Dr. Tarek Bary, Alexander Heim, Julia Uth, Sabine Räth und Heike Stamm. Foto: WJ Fulda

„Noch eine Schippe drauflegen“

am 24.01.2020

Dr. Tarek-Leander Bary und Julia Uth über Ziele und Projekte der Wirtschaftsjunioren

FULDA (tf/mlu/cle). Mit viel Schwung sind die Wirtschaftsjunioren (WJ) Fulda ins neue Jahr durchgestartet. Bereits Ende 2019 zog sich der Vorstand zu einer zweitägigen Klausurtagung zurück, um Themenschwerpunkte und Veranstaltungen für 2020 festzulegen.


Der „Ball der Wirtschaftsjunioren“ in der Orangerie am 6. Juni ist ausverkauft. Das erste Event, bei der sich Mitte des Monats die „Neuen“ im Vorstand in der „Heimat“  vorstellten war gut besucht. Mit einem Workshop zu digitalen Geschäftsmodellen steht am 30. Januar der nächste Höhepunkt an. Wir sprachen mit WJ-Kreissprecher Dr. Tarek-Leander Bary (Muth & Partner mbB) und Vorstandsmitglied Julia Uth (Uth GmbH), die das Ressort Öffentlichkeitsarbeit betreut. Beide sind Feuer und Flamme für die diesjährigen  Projekte.

Können die Wirtschaftsjunioren überhaupt noch das vergangene Jahr toppen, an dessen Höhepunkt – die Landeskonferenz – sich Unternehmer und Führungskräfte heute noch gerne erinnern?
Dr. Tarek-Leander Bary: Nun, die Wirtschaftsjunioren haben 2019 unbestritten einen super Job gemacht, was auch an der klaren Aufgabenverteilung im Vorstand liegt. Unsere Arbeit ist sehr deutlich sichtbar in der Öffentlichkeit, aber natürlich kann man da immer noch eine Schippe drauflegen. An der Mehrzahl unserer Veranstaltungsformate müssen wir nicht viel verändern, da die sich bereits langjährig bewährt haben. Bei Konzepten wie „WJ trifft …“ ist die Herausforderung, immer wieder interessante Gesprächspartner zu finden.

An Bewährtem festzuhalten ist sicher ein probates Erfolgsmittel – gibt es dennoch neue Ideen?
Dr. Tarek-Leander Bary: Zusätzlich zu den Dingen, die gut laufen, haben wir uns mit Blick auf das Jahresmotto „Gründen. Nachfolgen. Entwickeln.“ einige neue Sachen ausgedacht, die bei Mitgliedern zum einen das Interesse wecken und zum anderen einen echten Mehrwert bringen. Der bevorstehende Vortrag zu digitalen Geschäftsmodellen ist sehr vielversprechend und trifft den Nerv der Zeit. Premiere feiern wird der WJ Campus am 30. Oktober. Das soll ein Tag werden, der hiesigen Entscheidern mit Vorträgen und Workshops wichtige Impulse gibt.

Mit einem lachenden und weinenden Auge blicken Wirtschaftsförderer der Region und die IHK auf zwei völlig konträre Charts der Wirtschaft: Bei der Arbeitslosenquote hat Fulda die niedrigste Quote Hessens, bei den Gründerzahlen dagegen …
Dr. Tarek-Leander Bary: Es ist ja eigentlich etwas Schönes, wenn es in Fulda nicht die wirtschaftliche Notwendigkeit gibt, ein Startup zu gründen, um zu überleben, sondern weil man eine gute Idee hat. Und sich dabei sagt: „Ich gründe nicht etwas, weil ich sonst keine Erwerbsmöglichkeit habe, sondern weil meine Geschäftsidee besser ist als die Angestellten-Position, die ich aktuell habe.“
Julia Uth: Zu diesem Thema kann man keine Pauschalaussage treffen, denn diejenigen Gründer, die sich uns vorstellen und oft auch Mitglied bei uns werden, sind durchaus motiviert, spezielle Nischen mit interessanten Produkten zu besetzen, die Alleinstellungsmerkmale aufweisen. Dennoch denke ich, dass Fulda noch Potenzial hat. Zu gründen muss man sich erst einmal trauen in Zeiten, in denen die Wirtschaft in Osthessen ja durchaus attraktive Arbeitsplätze bietet.

Dennoch hört man in Fulda relativ selten von solchen Erfolgsstorys wie beispielsweise den Gründern des Portals Praktikumsjahr – müssen die Wirtschaftsjunioren der Politik mehr Dampf machen? Muss vielleicht eine alte Fabrik umgebaut werden, in der sich Gründer günstig einmieten können?
Dr. Tarek-Leander Bary: Die vorhandene Infrastruktur ist, wie ich denke, nicht schlecht, aber in Detailfragen ausbaufähig. Das Informationstechnologie-Zentrum (ITZ) Fulda hat ja schon einige erfolgreiche Startups beim Erwachsenwerden geholfen. Netzwerken wird hier wie auch an vielen anderen Stellen großgeschrieben – da leistet selbst die Fastnacht einen Beitrag zur aktiven Wirtschaftsförderung, weil Entscheider eng beisammen sind und geniale Ideen schmieden. Landkreis, Stadt und IHK ziehen bereits bei der Nachwuchskräfterekrutierung in Zeiten des Fachkräftemangels an einem Strang. Eine noch zielgenauere Förderung von Existenzgründern und Startups wäre sicherlich etwas, was die Wirtschaftsjunioren unterstützen würden.

Apropos Berufsorientierung: Oft wissen Realschüler oder Abiturienten nicht so recht, welchen Weg sie einschlagen sollen – wird jungen Menschen auch die Möglichkeit aufgezeigt, später mal sein eigener Chef sein zu können?
Julia Uth: Natürlich. Vor allem beim bundesweiten Projekt „Jugend gründet“ gibt es gute Erfahrungen und konkrete Kooperationen – beispielsweise mit der Konrad-Zuse-Schule. WJ-Mitglieder stehen im Rahmen des Projekts gern Pate bei der Präsentation von Geschäftsideen oder dem Erstellen von Businessplänen. Aber wir setzen, abgekoppelt von diesem Projekt, auch eigene Akzente. Unsere Mitglieder gehen gezielt in die Schulen, nehmen sich eine Doppelstunde Zeit und berichten sehr authentisch, wie sie Unternehmer oder Führungskraft geworden sind. Diese positiven Beispiele ermutigen sicher den ein oder anderen dazu, selbst Gründer zu werden.

Klingt gut, aber uns interessieren auch die Punkte, wo es aktuell in der Wirtschaft hakt – welche sind das?

Dr. Tarek-Leander Bary: Definitiv die Bürokratie – hier drückt der Schuh aktuell sehr stark. Nicht nur die neue DSGVO erfordert einen enormen Dokumentationsaufwand. Die noch größere Last auf den Schultern von hiesigen Unternehmen ist das Mindestlohngesetz. Für dessen Umsetzung – vor allem die penible Dokumentation der Arbeitszeit und Höhe der Vergütung – wird in erheblicher Weise Produktivität gebunden. Der erforderliche Personalaufwand sorgt für einen Kostenapparat, den Mittelständler nur noch schwer schultern können. Hinzu kommen drastische Sanktionen, die wie ein Damoklesschwert über den Unternehmen schweben. Bei Verstößen gegen das Gesetz kann schnell der Zoll vor der Tür stehen.
 
Was sagen Sie als WJ-Kreissprecher eigentlich zur oftmals gescholtenen Generation „Y“, die angeblich nicht so motiviert sei wie Vorgänger-Generationen?

Dr. Tarek-Leander Bary: Was man da an Negativem immer wieder hört, ist aus meiner Sicht stark überzeichnet. Die Wirtschaftsjunioren sind das beste Beispiel dafür, dass der Mut, die Motivation und die Schaffenskraft bei Vertretern der Generation Y vorhandenen sind. Junge Leute von heute sind zudem besonders gut ausgebildet. Wer hier in Deutschland eine Berufsausbildung absolviert oder eine Hochschule besucht hat, ist zum großen Teil für das Berufsleben sehr gut  ausgebildet. Arbeitgeber, das muss man sagen, bekommen auch in Osthessen hervoragendes Fachpersonal, wenn auch zahlenmäßig zu wenig, um dem Fachkräftemangel zu begegnen.

Wie viele Mitglieder haben Sie zurzeit und wer gehört zu Ihrer Zielgruppe?
Julia Uth: Mit rund 200 Mitgliedern sind wir in Hessen der zweitgrößte WJ-Kreis  – größer ist nur Frankfurt. Erreichen wollen wir alle, die unternehmerische Verantwortung übernehmen und jünger als 40 Jahre alt sind. Ab dem 40. Lebensjahr dürfen wir leider niemanden mehr als Mitglied aufnehmen. Wer die Altersgrenze überschritten hat, kann als Fördermitglied an allen Veranstaltungen weiterhin teilnehmen. Einziger Unterschied zu den Aktiven: Fördermitglieder haben auf der Jahreshauptversammlung kein Stimmrecht.
 
Was muss man tun, um Mitglied zu werden?

Julia Uth: Am besten auf unsere Webseite schauen, wo die  Jahrestermine zu finden sind. Wer neugierig geworden ist, kann gerne eine Mail an den Vorstand schicken und uns besuchen.

https://www.wj-fulda.de

Save the Date

30. Januar, 17.30 Uhr: Workshop: Digitale Geschäftsmodelle verstehen und nutzen, Alte Schule   
23. April: WJ trifft die Gründer von Lizza, ein Startup-Unternehmen bekannt aus der „Höhle der Löwen“
6. Juni: Ball der Wirtschaft, Maritim

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