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Mit seinem Lieblingsinstrument in der Kaskadenschlucht im Roten Moor in Gersfeld.

„Ich habe ein bewegtes Leben“

am 22.01.2020

Pfarrer Friedhelm Dauner geht in den Ruhestand / Abschiedsgottesdienst am 28. Juni

GERSFELD. Dackelliebhaber, Witzeerzähler, Gitarrist und Sänger und begeisterter Zuschauer politischer Talkshows – und Pfarrer. Zumindest noch bis zum Sommer, denn Ende Juni geht Pfarrer Friedhelm Dauner (74) in den Ruhestand.

„Die Gemeinde und alle Messebesucher sind sehr traurig über meinen Abschied“, weiß Friedhelm Dauner. „Aber ich denke mit 75 Jahren darf man in den Ruhestand gehen.“ Das habe er sich verdient, immerhin habe er schon fünf Jahre freiwillig länger gearbeitet, als er eigentlich müsste. „Die Menschen im Altenheim können es gar nicht glauben“, erzählt der Geistliche mit einem Schmunzeln weiter:„ ‚Sie sind doch noch rüstig‘ sagen die Menschen im Heim.“
Am 28. Juni verabschiedet sich Pfarrer Dauner. Er bleibt dann erst mal in seinem Haus in Gersfeld wohnen. „Und irgendwann geht’s dann bestimmt auch mal für mich in ein Seniorenheim“, kündigt der 74-Jährige locker an.
Dauner sei zwar bereit für den Ruhestand, aber alt fühle er sich noch nicht. „Ich habe ein sehr bewegtes Leben, was ich alles gesehen und erlebt habe. Erst vergangenes Wochenende habe ich ein Konzert in Hildesheim gespielt“, berichtet er. „Eine lange Strecke auf der Autobahn fahren, Boxen schleppen, ein Konzert geben, und so weiter ... Wer kann von sich behaupten, das noch in meinem Alter zu machen?“ Friedhelm Dauner sei von Kindheit an musikbegeistert gewesen. „Ich habe immer schon gesungen, das bereitet mir viel Freude“, sagt er. Zudem spielt er einige Instrumente. „Die Zither habe ich nach Noten gelernt, Gitarre zu spielen habe ich mir selbst beigebracht.“ In seinem Wohnzimmer hat er eine Sammlung von mindestens fünf Gitarren und zwei Zithern stehen. Während des Priesterseminars hat er in seiner ersten Band gespielt. Schließlich hat der leidenschaftliche Musiker 1995 seine erste CD aufgenommen. Da habe er schon lange seine Gottesdienste musikalisch begleitet, berichtet der Gersfelder. Irgendwann sei er angesprochen worden, ob es denn keine Kassetten gebe, und so sei es zur ersten Audioaufnahme gekommen. Inzwischen hat er 14 CDs, 14 Alben aufgenommen. 2019 hat er seine letzte CD „Friedenssignale“ aufgenommen. Die Texte auf seinen CDs würden unter anderem von Udo Jürgens, Rolf Zuckowski, Detlev Block und der Lyrikerin Elli Michler stammen. Die Einnahmen spende Dauner alle. Die letzte Spende ging an ein Kinder- und Jugendzentrum in Bolivien. „Damit werden Kindern und Jugendlichen in der Dritten Welt eine Schul- und Berufsausbildung ermöglicht“, erklärt der Geistliche. Er verkündet, dass bereits 145.000 Euro für Bolivien zusammengekommen seien. Mit einem solchen Erfolg hätte der 74-Jährige niemals gerechnet. „Ich bekomme Zuschriften aus der ganzen Welt“, freut er sich. „Bei Musik hören die Menschen anders zu, mit Musik und Gesang lassen sich Gefühle und Botschaften ganz anders transportieren“, erklärt Dauner. Deswegen halte er seine Predigen auch immer knapp, singe lieber noch ein Lied im Gottesdienst.
Friedhelm Dauner wurde  am 26. Februar 1945 in Schollene in Sachsen-Anhalt geboren und wuchs in Leverkusen auf. Schon mit 14 Jahren wusste er, dass er Pfarrer werden wollte – doch seine katholische Mutter war dagegen. „Also habe ich erst eine Ausbildung als Chemielaborant gemacht und mein Abitur nachgeholt“, erzählt er. Schließlich habe dann sein evangelische Vater für ihn unterschrieben, damit er ein Studium der Theologie beginnen konnte. „Er wollte mir nicht die Zukunft verbauen“, erklärt Dauner.
Seit 1986 ist Friedhelm Dauner der katholische Pfarrer von Gersfeld. Vorher war er drei Jahre lang in Mernes im Spessart beschäftigt. Während seiner Zeit als Pfarrer hat er viele Kinderfreizeiten betreut. „Meistens sind wir mehrere Wochen lang ins Salzburger Land gefahren, Kinder lagen mir immer sehr am Herz“, so Dauner. Doch irgendwann sei es immer schwieriger geworden, Betreuer zu finden. Seit den Missbrauchsvorwürfen sei es noch schwieriger geworden. „Ich habe selbst einen solchen Fall mitbekommen, danach habe ich aufgehört solche Freizeiten zu betreuen“, bedauert der Pfarrer. „Wir leben leider in einer sehr sexualisierten Welt.“ 2019 gab es eine letzte Fahrt mit den Messdienern. Das hätten sich die Jugendlichen gewünscht. „Da habe ich dann für die Kinder gekocht, unter anderem gab es selbstgemachte Semmelknödel. Nach diesem Rezept werde ich immer wieder gefragt“, berichtet Dauner stolz.
Pfarrer Friedhelm Dauner beendet Ende Juni seine religiöse Karriere. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest. „Ich gehe aber davon aus, dass das ein Pfarrer der Nachbargemeinde übernimmt. Diese Entscheidung muss allerdings Bischof Gerber treffen“, sagt der katholische Pfarrer aus Gerfeld. Im Moment hält er fünf- bis sechsmal die Woche Messe. Im Laufe der Zeit – während der vergangen 30 Jahre – habe es immer weniger Trauungen gegeben, weiß Dauner. Und immer weniger Taufen. „Da machen wir Pfarrer untereinander Witze und sagen ‚Da müssen wir wohl mehr Hausbesuche machen‘“, scherzt der 74-jährige Katholik. Er sei im Rheinland aufgewachsen, da sei man eben etwas verrückter, rechtfertigt er seinen Humor.
Friedhelm Dauner verabschiedet sich natürlich nicht ohne einen Gottesdienst: Dieser findet am Sonntag, 28. Juni, um 14 Uhr in der katholischen Pfarrkirche Gersfeld statt. Im Anschluss wird noch ein Pfarrfest gefeiert mit Kaffee, Kuchen und einem Abendessen. Bestimmt mit selbstgemachten Semmelknödeln von Pfarrer Dauner.

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