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Ein Foto mit dem Bischof: Während seines 50. Geburtstag überreichte Marktkorb-Redakteurin Carolin Hartmann Bischof Dr. Michael Gerber einige Exemplare der aktuellen Marktkorb-Ausgabe. Foto: Arnulf Müller

„Als Kind wollte ich Architekt werden“

am 15.01.2020

Sektempfang, Gottesdienst und Gebetszeit: So feiert unser Bischof Dr. Michael Gerber heute seinen 50.

FULDA (cle). Glückwunsch, lieber Herr Bischof: Dr. Michael Gerber wird heute 50 Jahre alt. Ein toller Anlass, mit ihm über seine Kindheit, Idole und ursprünglichen Berufswünsche zu sprechen.

50 Jahre – ein toller Anlass zu feiern, vielleicht mit Sektempfang und geladenen Gästen. Wie begehen Sie diesen besonderen Tag?
Der Tag beginnt um 9 Uhr mit einer Eucharistiefeier im Dom. Anschließend werden den Mittag über immer wieder Gäste ins Bischofshaus kommen, wo es dann bei Sekt und Imbiss die Möglichkeit zur Begegnung gibt. Den Tag werde ich mit einer von jungen Christen gestalteten Gebetszeit in der Michaelskirche (nach der dortigen Abendmesse) beschließen.

Bekommen Sie Besuch von Ihrer Familie?

Da die Familie meiner Schwester schulpflichtige Kinder hat, ist das nicht möglich. Wir werden am darauffolgenden Wochenende mit Freunden, Weggefährten und meiner Verwandtschaft in meiner Heimat Oberkirch feiern.
Sie wünschen keine Geschenke, stattdessen Zuwendungen an „Mütter in Not“. Erzählen Sie über den Hilfsfonds.
Als katholische Kirche stehen wir ein für den Schutz des Lebens von der Schwangerschaft bis zum Tod. Dies zeigt sich wesentlich auch durch Maßnahmen zur Hilfe für die Frauen, die sich durch Schwangerschaft und Geburt in einer schwierigen Situation befinden. Der Hilfsfonds sorgt mit dafür, dass diese Frauen zusammen mit ihren Kindern eine Perspektive erhalten.
 
Was wünschen Sie sich zum Geburtstag?
Ein wachsendes Klima der Aufmerksamkeit sowohl in der Gesellschaft als auch in der Kirche: Dass wir einander zuhören, gerade auch denen zuhören, die eine andere Position haben als wir selbst, und uns fragen: Welche wichtige Botschaft könnte für mich in dem liegen, was der oder die Andere mir zu sagen hat? Gerade angesichts wachsender Polarisierungen sehe ich darin einen Weg, um den aktuellen
Herausforderungen angemessen zu begegnen.
 
Was bedeutet Ihnen Ihr 50. Geburtstag?
Ich bin bei diesem Anlass dankbar, dass ich ein gesundes Leben führen kann in dem Wissen, dass das alles andere als selbstverständlich ist. Meine Mutter war in diesem Alter schon schwer erkrankt. Zugleich bin ich dankbar, dass ich eine Aufgabe habe, die bei aller Herausforderung mir sehr viel Freude schenkt.
 
Wer war Ihr Idol? Wen bewundern Sie (heute) besonders?
Ich war ehrlich gesagt in der Jugend nicht so der Typ, der auf alle möglichen Stars abgefahren ist. Mich beeindrucken Menschen, die vor großen Herausforderungen gestellt sind und dabei eine innere Haltung entwickelt haben, an diesen Herausforderungen zu wachsen und zugleich andere in deren Persönlichkeit zu fördern. Dazu gehören für mich Personen wie Pater Josef Kentenich, der Gründer der Schönstattbewegung, und vor allem seine Art und Weise, als Gefangener im KZ Dachau zu leben. Ebenso Frère Roger Schütz, dessen Gemeinschaft in Taizé und deren Auftrag für unsere Zeit mich nachhaltig beeindruckt.
 
Worauf sind Sie im vergangenen halben Jahrhundert besonders stolz?
Ich bin (hoffentlich!) nicht stolz als vielmehr sehr dankbar. Den Weg, den ich bisher gegangen bin, hätte ich niemals gehen können, wenn nicht viele Menschen mich an ganz unterschiedlichen Stationen meines Lebens gefördert und unterstützt hätten. So ist dieser Tag auch Anlass, um ihnen Danke zu sagen.
 
Welche Geschichte aus Ihrer Kindheit erzählen Sie gerne?
Da könnte ich eine Menge erzählen. So hatte ich die ersten drei Jahre meines Lebens in meiner Sprachmelodie einen eher rheinischen Tonfall – meine Mutter stammte aus Düsseldorf. Irgendwo in meinem Elternhaus haben wir noch alte Tonbandaufnahmen, die das belegen. Nach dem dritten Geburtstag allerdings kam ich in den Kindergarten und dabei in eine Gruppe von anderen Kindern, die sehr starken Dialekt sprachen. Nach nur drei Wochen hatte sich meine eigene Art des Sprechens völlig umgestellt. Seither spreche ich den allemannischen Tonfall, der bis heute geblieben ist.
 
Was hätten Sie beruflich gemacht, wenn Sie nicht den religiösen Weg gegangen wären?
Ein alternativer Wunsch war es, Architekt zu werden. Als Jugendlicher habe ich mich bereits mit Architektur beschäftigt, größere Modelle von Bauwerken aus Papier hergestellt – die ich bis heute aufbewahre. Später als Student habe ich gerne im Fertigbau gejobbt.
 
War es immer Ihr Traum, Bischof zu werden?
Mein Traum war es, Seelsorger zu werden, weil ich das gerade in der Jugendarbeit als sehr erfüllend erlebt habe, andere Menschen in ihrer Persönlichkeitsentwicklung zu fördern. Meine Sorge war – als ich Weihbischof werden sollte – dass das so nicht mehr geht. Ich habe inzwischen entdeckt, dass das – wenn auch sicherlich in anderer Form als ein Pfarrer – weiterhin möglich ist.

Sie sind mit 50 Jahren ein Jungspund, nämlich der jüngste katholische Diözesanbischof in Deutschland. Sollten viel mehr jüngere Bischöfe oder Priester nachrücken?
Nun ja, das mit dem „Jungspund“ ist immer relativ. In anderen Berufsfeldern wäre man mit diesem Alter eher im älteren Segment der Belegschaft. Biographisch jung ist nicht immer von sich aus ein Kriterium, um auch innerlich jung, beweglich, aufmerksam für neue Entwicklungen zu sein. Also mehr als die Frage des Alters spielt die Frage der Persönlichkeit eine Rolle.
 
Der älteste Bischof der Welt ist letztes Jahr 104 Jahre alt geworden (Erzbischof Bernardino Piñera). Treffen da nicht Generationen aufeinander? Oder kann ein Zusammentreffen/Zusammenarbeit mit Älteren auch bereichern?
Den emeritierten chilenischen Erzbischof kenne ich nicht. Aber in meinem Leben habe ich viele alte und auch sehr alte Priester kennengelernt, die innerlich jung, wach, interessiert und lernbereit waren. Auch das hat mich selbst motiviert, Priester zu werden, die Erfahrung, in dieser Lebensform kann man innerlich jung bleiben.

Im Laufe der Zeit haben Sie viele Menschen kennengelernt und lernen immer wieder neue kennen. Wer aber sind Ihre engsten Vertrauten?
Ich bin sehr dankbar für viele dienstliche Erfahrungen in Fulda, die mir gezeigt haben, hier sind Menschen, mit denen ich vertrauensvoll zusammenarbeiten kann. Im Privatleben sind meine Priestergruppe, mit der ich bereits über 22 Jahre unterwegs bin, sowie meine Familie und weitere sehr gute Freunde für mich wichtige Vertrauenspersonen. Ich merke, dass mir diese Beziehungen auch emotional viel Kraft geben für meinen Dienst hier als Bischof.
 
Bald sind Sie gut ein Jahr Bischof und leben in Fulda. Was war das schönste Erlebnis?
Es gab eine ganze Reihe von beeindruckenden Erlebnissen, angefangen vom Pilgerweg und der Einführung am 31. März. Nachhaltig beeindruckt hat mich auch das Bonifatiusfest und das Musical im Sommer. Auch viele Gottesdienste erlebe ich als berührend, nicht zuletzt auch die Gebetszeiten in der Michaelskirche, die regelmäßig alle paar Wochen am Sonntagabend stattfinden. Dann sind es immer wieder einzelne Begegnungen, Gespräche, in denen spürbar wird, uns verbindet viel.

Ihr Lieblingsort in Fulda?
Da gibt es viele schöne Orte. Gerne bin ich mit dem Fahrrad unterwegs in der Natur. Besonders beeindruckt mich – wie viele andere Menschen auch – der Innenraum der Michaelskirche.
 
Sie haben u.a. in Rom studiert, promoviert, wurden zum Priester, Vikar, Weihbischof und Bischof geweiht. Sie begleiten Ämter in Kommissionen, geben Fortbildungen und gehören den internationalen Schönstatt-Institut-Diözesanpriester an. Man kann sagen, dass Sie ein weltoffener, gebildeter Mensch sind, der in der Welt sehr viel rumgekommen ist, eine steile Karriere gemacht hat und sich vielseitig einbringt. War Ihnen das immer wichtig?
Tatsächlich ist es mir wichtig, mit offenen Sinnen in der Welt unterwegs zu sein, etwa Zusammenhänge zwischen Klimawandel, politischer Entwicklung, Migration etc. besser zu verstehen. Um das, was Sie Karriere nennen, habe ich mich nicht aktiv bemüht, die Anfragen wurden jeweils an mich herangetragen. In der Tat habe ich mich um keine der von Ihnen genannten Stellen selbst beworben. Beim „vielseitigen Einbringen“ ist mir das Kriterium wichtig: Was hilft tatsächlich, dass Menschen als Persönlichkeit wachsen, dass sie einen tieferen Zugang zum Glauben bekommen, um auf diesem Fundament die Herausforderungen ihres Lebens angehen zu können?

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