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Die Methanbildung bei der Wiederkäuerhaltung wie dieser Kuh in Neuhof wird man nicht komplett unterdrücken können. Aber es gibt durchaus Möglichkeiten, wie die Haltung optimiert werden kann.  Foto: Jenna Weidemeier

Nachhaltigkeit der Nutztierhaltung

am 27.12.2019

Prof. Friedrich-Karl Lücke über Landwirtschaft, Konsumverhalten und Ernährung

FULDA. Digitaler Stall, Güllewert, Roboter auf dem Feld: Mit der Serie RegioFarm hat der Marktkorb seinen Lesern eine facettenreiche Auswahl an Themen rund um die Landwirtschaft präsentiert. Prof. (i. R.) Friedrich-Karl Lücke, Hochschule Fulda, beleuchtet nun einige Themen von der wissenschaftlichen Seite.

Wenn es um Ernährung und Landwirtschaft geht, kommt immer wieder auch die Nachhaltigkeit mit ins Spiel: Wie sollten wir uns ernähren und das Land bewirtschaften, ohne die Lebensgrundlagen für unsere Nachkommen zu zerstören? Damit, sowie mit Zielkonflikten, Mythen und Halbwahrheiten rund um die Nachhaltigkeit setzt sich Prof. Lücke auseinander. „Nachhaltigkeit umfasst nicht nur Umwelt- und Klimafreundlichkeit, sondern auch sozialverträgliches Handeln und langfristige wirtschaftliche Tragfähigkeit (Resilienz)“, erklärt Lücke.

Wie nachhaltig  ist vegan?


Vegetarische, insbesondere auch vegane Ernährung findet derzeit in den Medien großes Interesse. „Es gibt jede Menge Start-Ups im Bereich ,vegan‘, einige verdienen auch Geld“, führt Lücke an. Auch sei der Fleischkonsum in den letzten Jahren um etwa ein Kilo pro Jahr und pro Kopf zurückgegangen.
Prof. Lücke hält aber eine vegane Ernährung nicht für die nachhaltigste Form der Ernährung. „Wenn wir keine Lebensmittel vom Tier mehr nutzen würden, dann bräche die ökonomische Säule der Nachhaltigkeit für die deutsche Landwirtschaft  erstmal weg“, mit erheblichen negativen Konsequenzen für die Kulturlandschaft und den ländlichen Raum, also auch für die Säule „Sozialverträglichkeit“, schildert er.

Klima und Grünland im Wechselspiel

„Grünland etwa in Rhön und Vogelsberg umzupflügen und so für die Erzeugung pflanzlicher Nahrungsmittel zu nutzen ist weder wirtschaftlich noch umweltverträglich, und normalerweise auch nicht zulässig.“, sagt Lücke. Davon abgesehen, ist der humusreiche Boden des Grünlands ein oft unterschätzter wichtiger Speicher für das Klimagas CO2.
Insgesamt gehört nach Lücke zur nachhaltigen Landnutzung auch die Nutzung von Tieren, wenn auch sicherlich nicht in dem Umfang, wie es derzeit in einigen Regionen läuft. Allgemein kann man aber sagen, dass die Erzeugung von einem Kilo eines tierischen Lebensmittels mehr Klimagase erzeugt als die Erzeugung von einem Kilo eines pflanzlichen Lebensmittels, wobei die Unterschiede deutlich geringer sind, wenn man die höhere Nährstoffdichte und Bio-Verfügbarkeit von Eiweiß und Mikro-Nährstoffen in tierischen Produkten berücksichtigt.
Für Lücke bleibt abzuwarten, ob der Trend zu pflanzlicher Ernährung sich auch zu einem Mega-Trend entwickelt, der mehrere Jahrzehnte bestehen bleibt. „Es muss zwar nicht auf Dauer so sein, dass die Hälfte der landwirtschaftlichen Wertschöpfung aus der Erzeugung tierischer Produkte stammt, aber die Landwirtschaft wie auch die Gesellschaft müsste sich Gedanken darüber machen, wie ein Wandel zu einem höheren Anteil pflanzlicher Lebensmittel in unserer Ernährung ohne gravierende Nachteile für die Landbewirtschaftung organisiert werden kann.“

Kleine und große Betriebe

Kleinere Betriebe wirtschaften nicht automatisch nachhaltiger, nur weil sie klein sind, betont Lücke.  Ihnen fehle öfter das Kapital, in ressourcensparende Technik und Bauten zu investieren. Moderne Technik in der Landwirtschaft könne ihnen aber durchaus erleichtern, die Nachhaltigkeit ihrer Wirtschaftsweise zu dokumentieren.

Ökolandbau und Nachhaltigkeit

Wie nachhaltig ein Betrieb wirtschaftet, lässt sich mit verschiedenen Kennzahlen beschreiben. Diese hängen sehr stark vom erzeugten Lebensmittel und vom Wissen und Können der Betriebsleitung ab, sind aber in den meisten Fällen bei Betrieben des Ökolandbaus etwas günstiger als bei vergleichbaren konventionellen Betrieben.
Rein rechnerisch könnte die Bevölkerung in Deutschland ernährt werden, wenn nur noch Biolandwirtschaft betrieben werden würde.   Lücke hält dies jedoch für wenig realistisch, denn: „Verbraucherinnen und Verbraucher würden höchstwahrscheinlich die damit verbundenen Konsequenzen nicht akzeptieren.“ Darunter würden etwa höhere Preise fallen, da die Erzeugung von Öko-Lebensmitteln mit geringeren Erträgen und oft mit höherem Aufwand verbunden ist, aber auch Schwierigkeiten, was die ständige Verfügbarkeit bestimmter Lebensmittel angeht. Auch müsste sich das Konsumverhalten ändern, so müssten zum Beispiel weitaus weniger Lebensmittel weggeworfen und weniger tierische Produkte verzehrt werden.
Lücke besuchte kürzlich das Fachsymposium „Klima-Wende jetzt! Mit dem Einkaufszettel die Welt retten?“ der Interessengemeinschaft für gesunde Lebensmittel (IG FÜR) in Berlin. Dort wurde das Bemühen des Handels deutlich, die Lebensmittelkette klimaverträglicher zu gestalten. Insbesondere größere Unternehmen stünden unter verstärktem Druck des Kapitalmarkts, nachhaltiger zu wirtschaften. Es bleibt aber noch viel zu tun: Ohne Änderungen im Verbraucherverhalten wird es nicht gehen, beim Lebensmittelkauf ebensowenig wie bei der Mobilität.

Zur Person

Prof. (i. R.) Dr. Friedrich-Karl Lücke lehrte von 1989 bis 2016 an der Hochschule Fulda mit Schwerpunkt Mikrobiologie, Lebensmittelsicherheit und -verarbeitung. Er hat zusammen mit deutschen und internationalen Studierenden zahlreiche Projekte „vom Acker bis zum Teller“ durchgeführt.
Seine Eltern wie deren Vorfahren haben Landwirtschaft gelernt und betrieben, seine Vorfahren auch,  und sein Bruder praktiziert sie heute noch. Über seine Arbeit an der Hochschule Fulda und seine Kontakte zu den Agrar-Fachbereichen der Universitäten Kassel/Witzenhausen und Göttingen sowie zur landwirtschaftlichen Praxis erhält er viele aktuelle Informationen, was sich in der Welt der Landwirtschaft tut.

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