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Auf gemeinsamer Spurensuche (v.links): Hadassah Steinberger, Martina Sauerbier, Shoshana Steinberger, Ute Schneider, Margit Stock, Elisabeth Sternberg-Siebert. Foto: Stadt Hünfeld

Den Vorfahren ganz nah

am 06.11.2019

Zwei Schwestern aus England erkundeten jüdische Wurzeln in Hünfeld

HÜNFELD. Auf jüdische Spurensuche in Hünfeld haben sich Hadassah und Shoshana Steinberger aus England begeben. Die beiden Schwestern haben zum ersten Mal den Heimatort ihres Großvaters Martin Steinberger besucht – und viele interessante Einblicke bekommen.

Es war ein bewegender Besuch für die zwei Schwestern in Hünfeld. Zwei Tage lang haben sie die jüdischen Wurzeln der Stadt erkundet. Dr. Rudolf Summa, der sich jahrelang mit der jüdischen Geschichte von Hünfeld befasst hat, führte die jungen Frauen durch die Konrad-Zuse-Stadt.
Mit dabei war am ersten Tag auch ihr Cousin Yitzie Steinberger, der aus der Schweiz anreist war. Gemeinsam gingen sie unter anderem zum Standort des ehemaligen Wohnhauses ihrer Vorfahren am Fuldaer Berg und zum Platz der Synagoge in der Gartenstraße. Außerdem besuchten sie die Abteilung für jüdische Geschichte im Konrad-Zuse-Museum.
Auch Elisabeth Sternberg-Siebert aus Burghaun hatte sich die Zeit für die jungen Frauen genommen. Sie kannte Martin Steinberger persönlich und berichtete im Hünfelder Stadtarchiv von Erlebnissen. Im Stadtarchiv hatten die Mitarbeiterinnen Margit Stock und Ute Schneider zudem eine Fotopräsentation mit Dokumenten der Steinbergers vorbereitet.
Shoshana (29) Steinberger aus London und Hadassah Steinberger (27) aus Manchester waren mehr als erfreut und berührt über die Informationen zu ihrer Familie. Gemeinsam mit Elisabeth Sternberg-Siebert, Margit Stock und Ute Schneider ergänzten sie den Familienstammbaum, den sie vorbereitet hatten. Woher ihr Interesse an der Familiengeschichte kommt? „Unser Großvater starb 2008, da waren wir noch jung und haben ihm viele Fragen nicht gestellt. Jetzt suchen wir Antworten“, erklärte Shoshana Steinberger. Bis zu einer Hochzeit der Familie im Januar wollen sie von ihrem Besuch in Hünfeld und all den neuen Informationen ein Buch erstellen und es ihren Verwandten vorstellen.
„Wir hätten nie gedacht, so viel zu erfahren“, sagte Hadassah Steinberger, die der Stadt Hünfeld dankbar für die Unterstützung bei der Planung des Besuchs war. Stadträtin Martina Sauerbier begrüßte die Schwestern in Hünfeld und wünschte ihnen viele Antworten auf Fragen, die bislang vielleicht unbeantwortet waren. Es sei wichtig, sich immer wieder an die jüdische Geschichte zu erinnern, damit die Grausamkeiten dieser schrecklichen Zeit nicht in Vergessenheit geraten. Aus diesem Grund gebe es in Hünfeld seit 2009 auch das Projekt Stolpersteine als Zeichen der Erinnerung. Zwei dieser Stolpersteine erinnern an die Urgroßeltern der beiden: Isak und Hulda Steinberger.
Besonders bewegend war für die Schwestern der Besuch des jüdischen Friedhofs in Burghaun. Elisabeth Sternberg-Siebert zeigte ihnen sieben Gräber ihrer Vorfahren. Die beiden Schwestern beteten an jedem Grab und entzifferten die hebräischen Schriftzeichen auf den Grabsteinen. Das älteste Grab ihrer Familie auf dem Friedhof ist von Joseph Steinberger aus Hünfeld, der 1868 gestorben ist – der Ur-Ur-Urgroßvater der beiden. Auf dem jüdischen Friedhof befinden sich heute noch 705 Grabsteine. Die erste Bestattung ist für das Jahr 1690 nachgewiesen und die letzte fand 1941 statt.

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