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Um die motorischen Einschränkungen durch die Parkinson-Erkrankung zu behandeln, ist Physiotherapie ein Mittel der Wahl. Foto:Deutsche Parkinson Vereinigung/privat

Parkinson beginnt fast unmerklich

am 15.04.2015

Rechtzeitiges Erkennen der Erkrankung und Physiotherapie wichtig

FULDA (MK). Sie bewegen sich wie in Zeitlupe, eckig und steif. Sie zittern, gehen gebeugt und mit kleinen Schritten, sind manchmal völlig erstarrt. Ihre Mimik wirkt seltsam verzerrt, das Sprechen undeutlich. Für Menschen mit Parkinson sind solche Bewegungsstörungen eine enorme Belastung – körperlich und seelisch. Am Lesertelefon anlässlich des diesjährigen Welt-Parkinson-Tages drehte sich alles um die Behandlung der für die Krankheit typischen motorischen Störungen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Nachlesen:

Beginnt Parkinson erst, wenn Bewegungsstörungen auftreten?

Dr. Pantea Pape: Nein. Motorische Symptome treten erst auf, wenn bereits mehr als 60 Prozent der Nervenzellen untergegangen sind, die in einem Teil des Gehirns den Botenstoff Dopamin bilden. Den ersten Bewegungsstörungen gehen allerdings nicht-motorische Symptome voraus – häufig um mehr als fünf Jahre. Deshalb ist die möglichst frühe Diagnose von Parkinson so wichtig.

Was sind frühe Anzeichen von Parkinson?

Dr. Pape: Solche, bei denen man zunächst gar nicht an Parkinson denken würde. Dazu zählen schmerzhafte Muskelverspannungen, Verstopfung oder eine Störung des Geruchsinns. Häufig kommt es zu Beginn auch zu Schlafstörungen – die Betroffenen rudern mit den Armen, schlagen um sich und sprechen im Schlaf. Erste motorische Veränderungen kann man am Schriftbild erkennen: Die Buchstaben werden beim Schreiben immer kleiner und unleserlicher.

Ich bin Anfang Siebzig und meine beiden Hände zittern seit ein paar Jahren stark. Kann das Parkinson sein?

Dr. Pape: Charakteristisch für das Zittern bei Parkinson ist, dass es einseitig beginnt und eine Seite immer stärker betroffen ist als die Andere. Bei einem beidseitigen Zittern, das unabhängig von Medikamenten auftritt, handelt es sich meist um einen so genannten essenziellen Tremor.

Welche Bewegungsstörungen treten typischerweise zuerst auf?

Prof. Dr. Rüdiger Hilker-Roggendorf: Die ersten motorischen Parkinson-Symptome sind typischerweise eine gestörte Feinmotorik einer Hand oder das beschriebene Händezittern in Ruhestellung. Häufig schwingt ein Arm beim freien Gehen nicht so gut mit wie derjenige der Gegenseite. Auch die Körperhaltung kann etwas gebeugt sein. Zudem ist die die Gesichtsmimik oft vermindert und wirkt maskenhaft.

Wie werden die Bewegungsstörungen behandelt?

Prof. Hilker-Roggendorf: Die wichtigste Behandlungsmaßnahme bei Parkinson-Patienten ist die regelmäßige Einnahme von Medikamenten. Diese ersetzen entweder direkt den Botenstoff Dopamin oder ahmen seine Wirkung im Gehirn nach. Andere Wirkstoffgruppen zielen darauf ab, den Abbau von Dopamin im Gehirn zu hemmen, damit insgesamt mehr Botenstoff über einen längeren Zeitraum zur Verfügung steht. Begleitend sind aktivierende Behandlungen wie Physiotherapie sinnvoll.

Ich werde seit gut einem Jahr wegen Parkinson behandelt, aber die Medikamente zeigen kaum Wirkung…

Prof. Dr. Wolfgang Greulich: Zunächst sollte in einem solchen Fall überprüft werden, ob die bisherige medikamentöse Behandlung und die Dosierung richtig sind. Wenn die verordneten Medikamente dann immer noch keine Wirkung zeigen, dann kann dies unter Umständen ein Hinweis auf ein atypisches Parkinsonsyndrom sein. Bei einem atypischen Parkinsonsyndrom sind Therapien wie Krankengymnastik und Ergotherapie hilfreicher als Medikamente.

Die motorischen Einschränkungen habe ich mit den Medikamenten gut im Griff. Aber ich fühle mich häufig niedergeschlagen und antriebslos.

Prof. Dr. Dirk Woitalla: Emotionale Störungen gehören zum Krankheitsbild des Parkinson-Syndroms und müssen spezifisch behandelt werden. Dabei kommen auch Medikamente zum Einsatz, die die Stimmung stabilisieren. Ein wichtiger Aspekt ist hierbei ein erholsamer Nachtschlaf, der die Basis für die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden während des Tages darstellt. Unter Umständen kann durch eine gezielte Auswahl der Parkinson-Medikamente eine Besserung herbeigeführt werden. In jedem Fall sollten Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

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