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Esther Bejarano und Liedermacher Konstantin Wecker standen ebenfalls schon gemeinsam auf der Bühne. Foto: privat

Die Pflicht einer Überlebenden

am 13.04.2015

Die Jüdin Esther Bejarano setzt sich mit 90 Jahren noch aktiv gegen den Faschismus ein

FULDA (lag). „Es ist meine Pflicht, meine Geschichte zu erzählen. Jeder, der so etwas erlebt hat, muss erzählen, damit so etwas nicht wieder passiert“, sagt Esther Bejarano. Genau das wird die Holocaust-Überlebende auch am Freitag, 17. April, in Fulda tun, bei einem Zeitzeugengespräch und einem Konzert in der Orangerie.

Solange die 90-Jährige kann, will sie weiter machen, sich weiter für Frieden und Gewaltlosigkeit engagieren, sich weiter mit aller Macht gegen den Faschismus stellen, den sie als Insassin des KZ Auschwitz in all seiner Grausamkeit am eigenen Leib erfahren hat. Ihrem musikalischen Talent und einer Prise Glück ist es zu verdanken, dass sie als Akkordeonspielerin in das Mädchenorchesters des Lagers aufgenommen wurde und nicht wie so viele andere ihr Ende in der Gaskammer fand.
„Wer die Geschichte kennt, wird sich von den Nazis nicht überreden lassen“, ist sie überzeugt, daher ist es ihr erklärtes Ziel, ihre Geschichte immer und immer wieder zu erzählen, vor allem den jungen Menschen, und ihre Augen und  Herzen für die Verbrechen zu öffnen, derer sich die Nazis schuldig gemacht haben. Wäre das doch nur direkt nach dem Zweiten Weltkrieg passiert, vieles wäre heute anders, ist Bejarano der Meinung. „Es war eine Sauerei, dass Adenauer die Nazis wieder in die Regierung geholt hat“, sagt sie. Jeder einzelne hätte vor Gericht gestellt und verurteilt werden müssen, doch viele der Nazis lebten in Freiheit weiter, und mit ihnen ihre fremdenfeindliche Ideologie. Was wirklich in Nazi-Deutschland abgelaufen war, hätten viele erst durch einem us-amerikanischen Film über den Holocaust erfahren.
Wie es sich heute vermeiden lässt, dass Menschen zum rechten Ufer überlaufen: „Die Nachfolgeparteien der NSDAP, die NPD etc. sollten verboten werden. Wir brauchen so menschenverachtende Ideologien nicht, denen muss man das Handwerk legen.“ Bejarano ist klar in ihren Ansichten, glasklar, und zeigt auch auf der Bühne, dass sie in puncto Fremdenhass kein Pardon kennt. Seit 2009 arbeitet sie mit der Hip-Hop-Kombo „Microphon Mafia“ zusammen. Christentum, Judentum und Islam stehen bei den Konzerten vereint auf der Bühne. „Wir sind ein Vorbild für Menschen, die mit anderen Kulturen nichts anfangen können“, sagt Bejarano. Zwei Alben haben die unterschiedlichen Künstler zusammen aufgenommen. Die Erfahrungen der Holocaust-Überlebenden sind darin eingeflossen, umrahmt von Hip-Hop-Beats, Texten der Rapper, Gedichten und traditionellen jiddischen Liedern.
Der Vorverkauf für das Konzert am Freitag, 17. April, um 18.30 Uhr ist beendet, nur wenige Karten werden an der Abendkasse verfügbar sein.  Eine weitere Möglichkeit,  Bejarano aus der Nähe zu erleben, bietet sich Interessierten ebenfalls am 17. April um 11 Uhr in der Christuskirche. Dort wird bei freiem Eintritt ein Zeitzeugengespräch mit Fuldaer Schülern stattfinden. Es empfiehlt sich, rechtzeitig vor Ort zu sein, denn genau wie beim Vorverkauf für das Konzert erwarten die Organisatoren der Veranstaltungsreihe „70 Jahre Befreiung von Faschismus und Nationalsozialismus“ auch dort einen großen Andrang.  Lohnen wird es sich auf jeden Fall, denn Bejarano ist eine der letzten Überlebenden von Auschwitz und gehört zu den wenigen, die  aus erster Hand von einer Zeit berichten können, in der Ignoranz und Fremdenhass auf der Tagesordnung standen. Wir müssen ihre Geschichte hören, damit wir sie weitererzählen können, wenn diese Menschen eines Tages von der Erde verschwunden sind.

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