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Blick von Südosten auf das Naturschutzgebiet „Haimberg“ Fotos: Ute Lange

Der Haimberg – ein bedrohtes Kleinod

Artikel von Dr. Ute Lange am 18.03.2020

Ein Mosaik aus unterschiedlichen Biotoptypen mit reicher Flora / Neues Buch zum Thema erschienen

FULDA. Der Verein für Naturkunde in Osthessen hat ein arbeitskreisübergreifendes Projekt im Naturschutzgebiet (NSG) „Haimberg bei Mittelrode“ durchgeführt, dessen umfangreiche Ergebnisse in einer Monografie dokumentiert werden, die jetzt in der Reihe „Beiträge zur Naturkunde in Osthessen“ erschienen ist.

Neben Daten zur Flora und Vegetation werden in der Publikation Ergebnisse zur Geologie und zu verschiedenen Tiergruppen wie Heuschrecken, Zweiflügler, Wespen, Wildbienen, Tag- und Nachtfalter, Käfer, Wanzen, Mollusken und Vögel vorgestellt.                                                                                                                    Die Untersuchungen in dem seit 1990, also seit nunmehr 30 Jahren, mit einer Flächengröße von 66 Hektar bestehenden NSG wurden mit Genehmigung der Oberen Naturschutzbehörde in Kassel über drei Jahre hinweg zumeist ehrenamtlich durchgeführt.                           Aufgrund seiner besonderen geologischen Verhältnisse aus anstehendem Buntsandstein, Muschelkalk und Basalt weist der 410 Meter hohe, im Stadtgebiet von Fulda gelegene und in Nordwest-Südost-Richtung verlaufende markante Einzelberg auf engstem Raum ein Mosaik aus verschiedenen Biotoptypen sowie eine außerordentlich artenreiche Flora auf. Diese wiederum bildet die Grundlage für eine ebenfalls sehr abwechslungsreiche Fauna. Zu den prägenden Biotoptypen dieses auch überregional bedeutsamen Gebietes zählen zum einen die von unterschiedlichen Waldgesellschaften gekennzeichneten Waldbestände, die mit insgesamt etwa 52 Hektar flächenmäßig den größten Teil des Untersuchungsgebietes einnehmen. Hinzu kommen die sich im Randbereich befindenden Kalkmagerrasen-Restbestände und trockenen Wiesen.                                                                                                                                     Von besonderer Bedeutung sind hierbei vor allem die Kalkmagerrasenbereiche. Denn derartige Flächen sind im Stadtgebiet von Fulda nur noch spärlich ausgebildet, stellen aber ein ökologisch ausgesprochen wertvolles floristisches und faunistisches Potenzial dar. Neben dem typischen noch recht vollständig vorhandenen Arteninventar kommen hier auch einige Orchideenarten, wie die Fliegen-Ragwurz, vor. Als eine floristische Besonderheit ist ferner der Österreichische Lein anzusehen.                                                                                                        Kalkmagerrasen sind im Wesentlichen als Ersatzgesellschaft des Orchideen-Buchenwaldes nach dessen Rodung zu betrachten und verdanken ihre Existenz einer anschließenden, Jahrhunderte lang ausgeübten extensiven Nutzung, insbesondere der Schafbeweidung. Daher liegt die Hauptgefährdung für das Fortbestehen solcher Rasenflächen in der Aufgabe der ehemals extensiven Nutzung als Schaf- bzw. Ziegenhutung. Diese durch mangelnde Rentabilität bedingte Nutzungsauflassung führt dazu, dass vom Rand her Gehölze zunehmend in die offene Rasenfläche vordringen und deren Verbuschung vorantreiben. Dadurch wird die typische wärmeliebende Rasenflora allmählich zerstört. Diese potenzielle Bestandsgefährdung erklärt einerseits eine entsprechende Schutzwürdigkeit, macht andererseits aber die Anwendung geeignete Pflegemaßnahmen als Ersatz für die frühere Bewirtschaftung unbedingt erforderlich. Denn nur durch eine gezielte Offenhaltung kann dieser Lebensraum mittel- und langfristig erhalten werden.