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Im ehemaligen Gebäude der Oberrealschule in der Leipziger Straße (heute Winfriedschule) fanden nach dem Zweiten Weltkrieg viele VHS-Kurse statt. Foto: Stadtarchiv Fulda/Julius Caesar

Hörer mussten Heizmaterial zum Unterricht mitbringen

am 05.02.2020

Geschichte der Städtischen Volkshochschule (Teil 2) / Neustart nach 1945

FULDA (fd). Die Städtische Volkshochschule Fulda ist eine der traditionsreichsten Bildungseinrichtungen der Region. Das Licht der Welt erblickte sie im Januar 1920 – in politisch bewegten Zeiten. Und auch in all den Jahrzehnten ihres Bestehens ist sie immer auch Spiegelbild der gesellschaftlichen Entwicklungen der jeweiligen Epoche gewesen. Jetzt feiert sie ihr hundertjähriges Bestehen. In einer dreiteiligen Serie soll die Geschichte der Städtischen Volkshochschule beleuchtet werden.

Mit großem Enthusiasmus war die Städtische Volksschule nach ihrer Gründung am 6. Januar 1920 gestartet. Doch das öffentliche Interesse ebbte – auch bedingt durch politische Wirren und wirtschaftliche Nöte – bald ab. In Fulda dürfte es so gewesen sein wie andernorts auch: Das Inflationsjahr 1923 und die Krisenjahre danach schadeten der Erwachsenenbildung sehr. 1929 stellte die Institution ihre Arbeit ein. Eine formelle Schließung durch die Nationalsozialisten ist – wie sie andernorts erfolgte – für Fulda nicht dokumentiert.
Die Volkshochschule war geschlossen – aber ihre Ideale nicht vergessen. Schon kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs rückten sie wieder ins Blickfeld, und es kam im Herbst 1945 zu Bestrebungen, die Fuldaer Volkshochschule wieder zu begründen. Der mit der Neuordnung des Fuldaer Schulwesens beauftragte Oberschulrat Franz Hilger war jetzt die treibende Kraft.
Mit der Genehmigung der Militärregierung nahm die Volkshochschule am 20. Mai 1946 ihre Arbeit auf. Die Fuldaer Volkszeitung kommentierte, die Bahn sei frei für ein „soziales Werk, dessen stolzer Name in Fulda nicht zum ersten Mal“ erklinge. Es sei sicherlich kein Spiel des Zufalls, dass zweimal nach einem furchtbaren Kriege der Ruf nach einer Hochschule des Volkes laut geworden sei.
Zunächst gab es Vorlesungsreihen „Staat und Gesellschaft“ und „Volkswirtschaftliche Theorien“. Im Fachbereich Sprachen, den es 1920 noch gar nicht gab, taucht nun Englisch auf. Die Vorträge und Kurse fanden überwiegend in den Räumen der Oberrealschule (Leipziger Straße 2 – heute: Winfriedschule) statt. Die VHS-Arbeit wurde in Trimestern organisiert und der große Zuspruch als „ein Zeichen geistiger Wiedergeburt“ gewertet.
Im Februar 1947 erhielt die Volkshochschule den Status eines eingetragenen Vereins, Oberbürgermeister Dr. Cuno Raabe wurde zu dessen Vorsitzenden, zu seinem Stellvertreter Oberschulrat Franz Hilger gewählt. Als Geschäftsführer wurde Dr. Heinrich Hahn bestellt, der damals Leiter des Vonderau-Museums und des späteren Städtischen Kulturamtes war.
Am 1. April 1947 wurde die Geschäftsführung der Volkshochschule von der Stadt Fulda übernommen, die Einrichtung selbst der Hauptverwaltung angegliedert. Diese Entscheidung war richtungsgebend für die gesamte weitere Entwicklung, in der die Volkshochschule zu einer Einrichtung der kommunalen Selbstverwaltung wurde.
Für annähernd 30 Jahre war Dr. Heinrich Hahn gleichzeitig Leiter der Städtischen Volkshochschule und des Kulturamtes. In diesem Zusammenhang erwähnt seien die Schwierigkeiten, die sich der Volkshochschule in ihren Anfangsjahren stellen musste. Häufig ist von Raum-, Beleuchtungs- und Beheizungsnot die Rede. Die Hörer wurden ersucht, Heizmaterial und Kerzen („Hindenburglichter“) mitzubringen.
Es ist unbestreitbar, dass der Volkshochschule beim Aufbau eines demokratischen Staatswesens eine wesentliche Aufgabe zugewiesen wurde. Die amerikanische Besatzungsmacht interessierte sich lebhaft für ihr Programm und leistete tätige Unterstützung. Es ist dies die Zeit, in der das US-Informationscenter in vielen Städten dabei half, Büchereien und Filmvorführungsstätten einzurichten, die im Volksmund als Amerika-Häuser bezeichnet wurden. Ein solches Amerika-Haus wurde auch in Fulda eingerichtet. Es befand sich zentral gelegen in der Rabanusstraße in einer repräsentativen Villa (wo heute Galeria Kaufhof angesiedelt ist.)