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Die „Holy Cross Church“ von Crediton ist ein Meisterwerk mittelalterlicher Baukunst. Foto: Michael Schwab

Zwei Creditoner wollen die Geschichte nachhaltig und eindringlich erzählen

am 18.05.2015

Die Engländer Rod Brookes und Anthony Richards stellten OB Möller die neue Bonifatius-Installation in Crediton vor

FULDA (mb). Das südenglische Crediton möchte das Band der Verbindung zu Fulda noch enger knüpfen. Einerseits über Bonifatius: Sein Leben und vor allem die Frage, wie sein europäisches Wirken für viele Creditoner im Alltag sichtbarer werden kann, ist einer von zwei Anknüpfungspunkten. In einem weiteren Projekt möchten die beiden Initiatoren Rod Brookes und Anthony Richards ihre Partnerstädte in Frankreich und Deutschland durch ein Theaterstück mit Chor- und Orchesterelementen einander näher bringen. Ihre Überlegungen stellte das Projektteam Oberbürgermeister Gerhard Möller bei einem Besuch im Stadtschloss vor.

Von Fenstern inspiriert

Die Erinnerung an Bonifatius hält vor allem die katholische Pfarrei von Crediton wach. Aber auch einige sehr schöne, bunte Fenster der mittelalterlichen „Holy Cross Church“ erzählen einen Teil der Geschichte, die die Heimat des angelsächsischen Missionars mit den Orten seines späteren Wirkens verbindet. Für Rod Brookes die entscheidende Initialzündung zu seiner Idee:  Ließe sich nicht etwas Vergleichbares wie die Fenster als Kunstobjekt mitten im Herzen der englischen Kleinstadt aufstellen? Eine heimische Künstlerin riet aus praktischen Gründen schnell ab. Nur im dunklen Kirchenschiff würde das Zusammenspiel aus farbigen Fenstern und Licht funktionieren, nicht jedoch bei Tageslicht im Freien. „Wir entschieden uns daher für eine Bogenfenstern ähnelnde Rahmenkonstruktion und bespannten diese mit Fahnenstoff aus Nylon“, beschreibt Brookes die Alternativvariante. Am Wochenende vom 12. und 13. Juni soll die Installation aus acht Rahmen mit ausschnitthaften Szenen aus dem Leben des Bonifatius der Öffentlichkeit in Crediton während eines großen Stadtfestes präsentiert werden.

Bonifatius im Mittelpunkt

Grundgedanke der Idee war für Brookes, „Bonifatius in der öffentlichen Wahrnehmung wieder mehr in den Mittelpunkt zu rücken“. Weniger eine tiefe religiöse Beziehung zum großen angelsächsischen Missionar, als vielmehr die Bedeutung der historischen Persönlichkeit und sein Wirken, wie das Fällen der Donareiche bei Geismar, inspirierten Brookes zu seinem ambitionierten Projekt. Mittlerweile gibt es in Crediton auch schon Stadtführungen zum Thema Bonifatius. Und Gäste des Stadtfestes werden sich auf ein sogenanntes „Reinactment“ freuen können, auf dem von Darstellern die Geschichte von Bonifatius in historischen Kostümen nacherzählt wird.  
Während das „Bonifatius-Projekt“ bereits Realität ist, sind Brookes und Richards momentan fleißig dabei, ihr gemeinsames Theaterprojekt voranzubringen. In den Partnerstädten werben sie für ihre Idee, tragen historisches Quellenmaterial zusammen, wozu unter anderem auch ein Besuch bei Kulturamtsleiter Dr. Thomas Heiler im Stadtarchiv diente, und knüpfen Kontakte zu potenziellen Mitwirkenden. Denn sowohl in Crediton als auch im französischen Avranches und in Fulda sollen lokale Akteure das Stück textlich und musikalisch ausgestalten. „In dem Stück geht es uns darum, die Ähnlichkeiten der Lebensumstände  der Menschen in allen drei Ländern während des Ersten Weltkriegs herauszuarbeiten“, erläutern die beiden Projektverantwortlichen das Konzept. Bislang habe man diese Zeitphase eher nur aus englischer Sicht betrachtet. „Als wir uns intensiver mit diesem Thema beschäftigt haben, stellten wir fest, wie ähnlich doch vieles bei den Kriegsbeteiligten war. Jeder glaubte, Gott auf der eigenen Seite  zu haben und hoffte, dass der Krieg schnell vorüber wäre. Deshalb möchten wir mit unserem Stück die individuellen Erfahrungen der Menschen in unseren Partnerstädten kennenlernen und so Geschichte erzählen.“

Unterstützung erhofft

Noch existiert kein Skript, aber ein Konzept. Brookes und Richards sind zurzeit unterwegs, um es vorzustellen und zu erfahren, wie interessiert die Bevölkerung in den Partnerstädten (auch in Fulda) an diesem im besten Sinne „europäischen Projekt“ ist. Avranches ist nach Brookes Worten bei dem Vorhaben gerne mit dabei. Nicht zuletzt, weil der derzeit amtierende Bürgermeister David Nicolas zuvor Archivleiter war und so besondere Bezüge zur Geschichte hat. Auch in Fulda hoffen beide auf Unterstützung ihres Vorhabens, das zeigen soll, dass „das Europa von heute sich infolge des Ersten Weltkriegs so darstellt, wie wir es kennen“. Gleichzeitig soll es  eine Mahnung sein, nie wieder miteinander in Konflikt zu geraten. „Wir wollen kein Melodram schaffen, sondern mit unserem Werk nachhaltig wirken“, bringt es Brookes auf den Punkt. „Wir werden in unserem Stück reflektierende Strukturen schaffen, die anregen sollen, über den Krieg nachzudenken“, ergänzt Richards, der seine Erfahrung als Theaterdirektor in die Produktion einbringt. Im Umfeld von Crediton arbeitet er bereits seit Jahren erfolgreich mit professionellen Schauspielern und „Amateuren“ zusammen. Um zumindest schon einmal den Creditonern und ihren Gästen aus den Partnerstädten einen kleinen Vorgeschmack auf das künftige Werk geben zu können, hat Anthony Richards szenenhafte Ausschnitte erarbeitet, die er voller Erwartung auf die Resonanz des Publikums während des Festes gemeinsam mit einigen Akteuren präsentieren wird. 2017 soll es dann soweit sein, dass das Opus in allen drei Partnerstädten mit rund 20 Schauspielern aus drei Ländern und jeweils lokaler Chor- und Orchesterbegleitung aufgeführt werden kann. Dazu müssen Brookes und Richards allerdings noch kräftig die Werbetrommel rühren, vor allem hinsichtlich der Finanzen. Große Hoffnung setzen beide auf das EU-Programm „Creative Europe“, flankierend sind Sponsoren aus den jeweiligen Partnerstädten notwendig.

Interessante Idee

Fuldas Verwaltungschef bezeichnete das von Brookes und Richards vorgestellte Projekt als „interessante Idee“. Allerdings bedürfe es noch einiger Anstrengungen, um es Wirklichkeit werden zu lassen. In der neuen „Bonifatius-Installation“ in Crediton sieht Möller hingegen einen spannenden Ansatz, das Leben des großen Heiligen und Missionars von europäischer Dimension in den Alltag hinein zu holen. Zugleich sei dieses Werk ein Zeichen für die gemeinsame Geschichte der Städte, die sich auf Bonifatius berufen, wie der Geburtsort Crediton, aber auch Fulda als letzte Ruhestätte und Dokkum, wo der Heilige den Märtyrertod erlitt.