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Da zu wenig über das damalige Lebensumfeld des Vormenschen bekannt ist, wird das Foto einer Magerrasenlandschaft verwendet und verfremdet. So konzentriert sich der Blick des Betrachters auf die Darstellung des „Homo Erectus“. Fotos: Michael Schwab

Der „Homo Erectus“ – so wie er war

am 01.04.2015

Neue Präsentation des Vormenschen in der Abteilung Vorgeschichte des Vonderau Museums

FULDA (mb). Eine kräftige „Mähne“ auf dem markanten Kopf mit der vorspringenden Kinnpartie. Den Arm hoch erhoben, um mit dem Stein einen Knochen zu zerlegen und endlich an den kostbaren Inhalt heranzukommen – das Mark. Dazu Kleidung aus grau weiß gescheckten Fellen. So hat er wahrscheinlich ausgesehen, der „Homo Erectus“. Die Nachbildung eines dieser Vormenschen, der auch in der Region seine Spuren hinterlassen hat, ist seit neuestem im Fuldaer Vonderau Museum zu sehen. Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Frank Verse stellt das jüngste Ausstellungsstück vor.

Leben erfahrbar machen

Kaum etwas ist schwieriger, als Geschichte(n) anschaulich und interessant zu „erzählen.“ Museen sind bei dieser Aufgabe besonders gefordert. „Wie sollen wir das Publikum für unser Haus gewinnen“, das ist die entscheidende Frage, die sich auch die Experten des Vonderau Museums immer wieder neu stellen. Sie setzen am konkreten Beispiel deshalb auf Dioramen, um einen wenn auch noch so kleinen Ausschnitt aus dem Leben eines dieser Vormenschen für Besucher erfahrbar zu machen. Zustande gekommen sei die Idee, „weil wir kulturgeschichtlich bedeutende Objekte, nämlich Steingeräte (engl. so genannte chopper oder chopping tools, also Schlagwerkzeuge) aus der Aschenbrenner-Sammlung haben, die bei Maberzell und im Hünfelder Raum gefunden worden sind, die aus sich heraus aber keine Geschichte erzählen“, erläutert Verse. Durch die Rekonstruktion einer Berliner Fachfirma soll nun die Aufmerksamkeit des Publikums stärker auf den vorgeschichtlichen Bereich der Museumssammlung gelenkt werden. „Das werden wir mit der Figur des Homo Erectus erreichen“, ist sich Fuldas Stadt- und Kreisarchäologe sicher und freut sich zugleich über das gelungene Ergebnis. Gleichzeitig soll die Darstellung die Physiognomie des Vormenschen nach aktuellem Wissensstand erfahrbar machen. Da jedoch zu wenig über sein damaliges Lebensumfeld bekannt ist, haben sich die Verantwortlichen dieses Projektes entschieden, das Foto einer Magerrasenlandschaft als Hintergrund zu verwenden und es zu verfremden. So konzentriert sich der Blick des Betrachters auf die Darstellung des „Homo Erectus“.

Wärmer als heute

Im thüringische Bilzingsleben sind Abdrücke von Pflanzen und Tieren gefunden worden, die heute vor allem im Mittelmeerraum beheimatet sind. Das weist nach Verses Worten darauf hin, dass die damalige Durchschnittstemperatur um zwei Grad höher als heute gewesen sein muss. Der „Homo Erectus“ habe in dieser Zwischeneiszeitphase gelebt. Deshalb ist auf die Darstellung eines kalten, lebensfeindlichen Umfelds verzichtet worden. Wer die Nachbildung des Vormenschen betrachtet, wird außerdem schnell feststellen, dass er so gar nicht den noch bis vor kurzem geltenden Vorstellungen eines behaarten, grobschlächtigen und affenartigen Wesens entspricht. Warum das so ist, begründet Verse so: „Der ‚Homo Erectus‘ ist der erste Vormensch, der von Afrika nach Europa ausgewandert ist. Ähnlich wie der moderne Mensch wird er seine Hautpigmentierung wegen der geringeren Sonneneinstrahlung verloren haben. Deshalb ist die Figur eher hellhäutig dargestellt.“ Vor circa 200.000 Jahren habe sich aus dem europäischen „Homo Erectus“ schließlich der Neandertaler entwickelt.

Weitere Rekonstruktionen

Die Sammlung des Museums, die sich zurzeit in der Neugestaltung befindet, soll nach Verses Vorstellungen unter anderem mit der jüngsten Präsentation auf einen aktuellen Stand gebracht werden. Außerdem wird es in naher Zukunft, wie Fuldas Stadt- und Kreisarchäologe ankündigt, weitere Rekonstruktionen geben: beispielsweise einen Schmelzofen. Auch in den anderen Bereichen der Vorgeschichtsabteilung soll die kulturgeschichtliche Entwicklung der Region durch Rekonstruktionen veranschaulicht werden, so „wie es im Vonderau Museum schöne Tradition ist“, lächelt Frank Verse und weckt Erwartungen, welche Überraschungen Fuldas Regionalmuseum bald noch zu bieten hat.