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Zunächst in offenen Gesprächsrunden, dann in vier Arbeitsgruppen vertieften die Fachkräfte die Impulse des Referats, um die bisherige Gesprächskultur in der Zusammenarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern zu optimieren. Foto: Stefan Mölleney

"Jugendhilfe gelingt im Dialog"

am 25.03.2015

130 Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe aus der Region Fulda tagten unter dem Titel „Beteiligung – ja bitte!“

FULDA (fd). Wenn Familien mit dem Jugendamt oder Fachkräften der Jugendhilfe in Kontakt kommen, stehen häufig viele Befürchtungen im Raum. „Die wissen alles besser.“, „Die bestimmen dann, was mit meinem Kind passiert.“, „Ich werde nicht gehört, die machen sowieso, was sie für richtig halten….“ Die Beteiligung von Familien an der Lösung ihrer eigenen Probleme scheint zu wünschen übrig zu lassen.

Dass dieses Bild der Wirklichkeit in der Regel nicht entspricht, machte der Fachtag „Beteiligung – ja, bitte!“ deutlich, zu dem über 130 Fachkräfte der Kinder- und Jugendhilfe aus der Region Fulda kamen.
„So viel wie noch bei keinem Fachtag zuvor“, begrüßt Alfred Heil, Ressortleiter Jugendhilfe beim Diözesancaritasverband, die Teilnehmer. „Dies zeigt, wie stark das Anliegen der Fachkräfte in Jugendämtern und bei freien Trägern ist, Kinder, Jugendliche und ihre Eltern bei den Hilfen zur Erziehung einzubinden und nicht über sie, sondern mit ihnen zu entscheiden“, so Edith Jordan, Jugendamtsleiterin des Landkreises Fulda.
In ihrem Vortrag bestätigte Martina Kriener (Fachhochschule Münster) die von den Fachkräften gesammelten Statements von Eltern, Kindern und Jugendlichen zu ihren Erfahrungen mit der Beteiligung in Beratungs- und Hilfeplanungsgesprächen. „Ich fühle mich da beobachtet“, und „Die Erwachsenen entscheiden über mich“, war da zu lesen. Aber auch: „Da kommen Probleme auf den Tisch“ und „Ich weiß, dass da viele Sachen zu meinen Gunsten geklärt werden“. Auch die Fachleute, so Kriener, sehen Beteiligung als ein „Thema, das weitgehend als nicht befriedigend umgesetzt eingeschätzt wird“. Für den Erfolg einer Hilfe sei zentral, dass Kinder, Jugendliche und Eltern sich anerkannt und wertgeschätzt fühlen. Wer beteiligt ist, entwickelt eigene Ideen und übernimmt Verantwortung. Zugleich müssten aber auch die Fachkräfte ihr Wissen und ihre Erfahrung einbringen. Es komme auf einen guten Dialog der unterschiedlichen Sichtweisen an.

Einflussreich mitwirken

Nach Einschätzung von Kriener geschieht Beteiligung in unterschiedlicher Ausprägung. Ideal sei, Familien durch umfassende Infos, gute Vorbereitung und einen geeigneten Rahmen zu bevollmächtigen und befähigen, die Lösung ihrer Probleme aktiv mitzugestalten. „Jugendhilfe ist erfolgreich, wenn Kinder, Jugendliche und Eltern in der Hilfeplanung einflussreich mitwirken“, so Kriener. Familien seien weniger Hilfeempfänger als „einflussreiche Entscheidungsträger und sollen sich auch so erleben.“ Fachkräften bei freien Trägern und Jugendämtern legte Kriener nahe, folgende Tugenden zu beherzigen: Wertschätzung, Transparenz, Verständlichkeit, Offenheit und Anerkennung für positive Entwicklung.
In offenen Gesprächsrunden und Arbeitsgruppen vertieften die Fachkräfte die Impulse des Referats, um die bisherige Gesprächskultur in der Zusammenarbeit mit Kindern, Jugendlichen und Eltern zu optimieren. So gab eine Arbeitsgruppe die Empfehlung, Eltern im Hilfeplangespräch direkt anzusprechen, sich selbst mit Wertungen zurückzuhalten und die Aussagen der Familien stärker zu gewichten: „Wir wollen Erziehungspartnerschaft auf Zeit ernst nehmen“, so das Credo. Eine andere Gruppe hat vorgeschlagen, Kindern und Jugendlichen anzubieten, bei wichtigen Gesprächen Vertrauenspersonen mitzunehmen. Diese könnten sie ermutigen, ihre eigene Sicht  einzubringen, auch wenn Fachkräfte und Eltern eine andere Meinung haben. „Viele Perspektiven bereichern“, hieß es in der dritten Arbeitsgruppe, die vierte brachte die Veranstaltung auf den Punkt: „Jugendhilfe gelingt im Dialog.“ Nun wird es Aufgabe der Gremien der Jugendhilfe in Stadt und Landkreis sein, so Stefan Mölleney, Leiter des Jugendamtes, die Impulse in gemeinsame Standards umzusetzen; denn „wenn Jugendamt und freie Träger gemeinsame Standards bezüglich Beteiligung entwickeln, dann profitieren die Familien, weil sie in ihrer Mit-Verantwortung für den Hilfeprozess gestärkt werden.“