Menü Button
mk Logo
Marktkorb Logo
Die Drittklässler erstellten mit Hilfe vonRequisiten – Trickfilmboxrahmen, Tonaufnahmen und Tablet – ein interaktives Buch mit alternativen Erzählsträngen. Foto: Edna Rohde

Schüler erstellen interaktives Buch

am 25.03.2020

Projekt zur gewaltfreien Kommunikation für MedienKompetenzPreis nominiert

POPPENHAUSEN (mb). 18 Drittklässler der Grundschule Poppenhausen haben per App ein interaktives Buch über gewaltfreie Kommunikation erstellt. Sie bastelten dafür unter anderem die Figuren und Requisiten. Zudem leihen sie den Figuren ihre Stimmen. Nun ist das Projekt für den MediaSurfer – MedienKompetenzPreis der Medienanstalt Hessen nominiert.

„Hört auf zu streiten“, diese Ermahnung sei auch in der Grundschule Poppenhausen häufig zu hören gewesen, erzählt Edna Rohde, die als Sozialpädagogin an der Grundschule arbeitet. Sie unterstützt die Lehrerinnen im regulären Unterricht, beispielsweise durch Eins-zu-Eins-Gespräche bei Problemen der Schüler, bietet separate Gesprächsmöglichkeiten etwa vor Klassenarbeiten an und organisiert Projekte wie den Beitrag zum MediaSurfer – MedienKompetenzPreis.
„Mit dem neuen Projekt wollen wir den Satz ‚Hört auf zu streiten‘ durch ‚Streitet euch ruhig, solange es fair und gewaltfrei bleibt‘ ersetzen“ erklärt Rohde. Weil sie die Erfahrungen gemacht hat, dass Arbeitsblätter und theoretische Fragestellungen die Kinder wenig motivieren und der Lerneffekt gering ist, entschied sich die Sozialpädagogin für ein Projekt bei dem IPads eingebunden wurden und die Kinder selbst aktiv werden konnten. „Neben Sozialkompetenzen konnten so auch Medienkompetenzen trainiert werden“, erläutert Rohde. Besonders wichtig sei ihr gewesen, dass die Kinder maximal eingebunden werden und die Erwachsenen nur Materialien zur Verfügung stellen und beraten.
„Letztes Jahr hatten wir uns mit einem Videoprojekt am MediaSurfer beteiligt, was den Nachteil hatte, dass aufgrund der technischen Hürden viele Aufgaben vonErwachsenen übernommen werden mussten und die Kinder nicht so eigenständig arbeiten konnten, wie wir es gerne gehabt hätten“, erinnert sich Rohde.
Letztendlich wurde sich entschieden, mit Hilfe einer App ein interaktives Buch über gewaltfreie Kommunikation zu entwickeln. „Die Kinder hatten die Idee, Situationen darzustellen, in denen zwei Tiere unterschiedliche Bedürfnisse haben und in Streit geraten. Zum Beispiel eine Ziege, die lange imStall stand und nun wild umherrennen möchte. Dabei zerstört sie aber den Laubhaufen des Igels, der tagelang sein Winterquartier vorbereitet hat“, verdeutlicht Rohde.
Als Blaupause für die Geschichten diente das Kinderbuch „Was brauchst du?“ von Hanna Grubhofer, Sigrun Eder und Barbara Weingartshofer.
Bei der Erstellung des interaktiven Buches hatten die Schüler der dritten Klasse viele Freiheiten. So entschieden sie, dass der Leser bei jeder Geschichte entscheiden kann, ob er eine günstige (gewaltfreie) oder eine ungünstige Entscheidung trifft, je nachdem endet die Geschichte unterschiedlich.
„Die Kinder sollten verschiedene Lösungen in einem geschützten Rahmen ausprobieren können. Zum Beispiel wenn die Tiere sich beleidigen lassen. Allen sollte dabei aber bewusst sein, dass dies der ,falsche Weg‘ ist“, erklärt Rohde.
In den drei Projektmonaten bastelten die Drittklässler Figuren sowie Requisiten, arbeiteten mit Trickfilmboxrahmen, lernten den Umgang mit einem Tablet und dessen Bildbearbeitung und vertonten sogar ihre Geschichte. „Und unterschwellig lernten sie die gewaltfreie Kommunikation anzuwenden“, sagt Rohde. „Besonders schön war, dass sich jeder nach seinen Vorlieben eingebracht hat. Wer gerne malt, hat Requisiten gebastelt. Wer gerne redet, hat die Geschichten vertont.“ Zudem seien beim selbständigen Arbeiten und bei den Gruppenarbeiten Sozialkompetenzen und Medienkompetenzen trainiert worden.
Das Projekt überzeugte auch die sieben Medienexperten, die die Jury des MediaSurfer2019 bilden. Aus 100 Bewerbungen von Kitagruppen, Schulklassen und Vereinen aus ganz Hessen wurden neben der Grundschule Poppenhausen 17 weitere Kandidaten für den Preis nominiert. Die besten Medienprojekte werden mit Preisgeldern in Höhe von 18.000 Euro belohnt.