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Das „smarte Frühstück“ in Wehyers diente als Vorbild für die Digitaltreffs der Volkshochschule des Landkreises Fulda. Den künftigen VHS-Kursteilnehmern bleibt es vorbehalten, selbst für Kaffee und Kuchen zu sorgen. Foto: Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal

Wie eine Fahrschule für das  Internet

am 06.03.2020

Mit ihrem neuen Angebot der Digitaltreffs möchte die VHS die Online-Kompetenzen der Bevölkerung stärken

LANDKREIS FULDA (sli). Früher lernte Hänschen in der Schule Lesen, Schreiben, Rechnen – 2016 beschloss die Kultusministerkonferenz, dass zur Grundbildung für Schülerinnen und Schülern ebenso digitale Kompetenzen gehören. Doch wie kann man diese erwerben, wenn die Schulzeit schon lange zurückliegt?

Keineswegs ist es so, dass Hans nimmermehr lernt. Die meisten Menschen befassen sich mit elektronischen Geräten und digitalen Medien, oft unterstützt von jüngeren Familienmitgliedern oder Bekannten. „Aber das ist so, als würde ich Autofahren lernen, indem man mir beschreibt, wie man den ersten Gang einlegt und startet. Dabei gehört zum Autofahren viel mehr!“, sagt Gerhard Fröhlich.
Der 57-jährige IT-Experte aus Giesel ist einer von derzeit vier Dozenten, die für die Volkshochschule des Kreises „Digitaltreffs“ gestalten. Das sind Kurse, in denen der Umgang mit Smartphones, Tablets und Computern gelehrt wird. Im Februar endete nach 20 Unterrichtseinheiten sein erster Kurs. Die zwölf Teilnehmerinnen und Teilnehmer befanden sich fast alle im Rentenalter, „was sicherlich auch an der vormittäglichen Kurszeit lag“, mutmaßt der Dozent. Seiner Ansicht nach haben die Älteren mehr Hemmungen als junge Leute, Unwissenheit zuzugeben und Fragen zu stellen. „Außerdem hat vielen meine Aussage nicht gefallen, dass es im Internet genauso wenig wie im Straßenverkehr absolute Sicherheit gebe.“ Doch mit Wissen lasse sich das Risiko minimieren, ergänzt Fröhlich. Was für den Führerschein die Verkehrsregeln, das seien in den Digitaltreffs Tipps zur Erstellung von Passwörtern, Online-Identitäten oder zur Erkennung von Phishing Mails.

Mit eigenem Gerät


Das Konzept der Digitaltreffs unterscheidet sich wesentlich von dem anderer VHS-Kurse: Zu Beginn referieren die Dozenten über ein bestimmtes Thema, beispielsweise soziale Medien wie Whatsapp, und im Anschluss ist Zeit für individuelle Fragen. Jeder Teilnehmer bringt sein eigenes Gerät mit, egal ob Smartphone, Tablet oder Laptop. „Aber es geht nicht darum zu zeigen, auf welche Taste jemand speziell auf seinem Handy tippen muss; vielmehr sollen die Teilnehmer lernen, sich zu orientieren; sonst wissen sie spätestens beim nächsten Update wieder nicht mehr weiter“, erläutert Fröhlich.
Angelehnt ist das Konzept an das „Smarte Frühstück“ des Vereins „Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal“, das - anfangs im Vier-Wochen-Rhythmus, doch wegen der großen Nachfrage inzwischen vierzehntägig – im Treffpunkt „Alte Post“ in Weyhers stattfindet. „Etwa 30 Männer und Frauen zwischen 60 und 82 Jahren kommen immer wieder hierher, um sich über ihre Erfahrung mit Smartphone und Co. auszutauschen“, berichtet Susanne Beh, die als Leiterin der „Beratungsstelle für hilfreiche Technik im Alter“ die Treffen organisiert.
Eine solche Verstetigung der Kurse erhofft sich auch Dr. Klaus Listmann, Studienleiter des Bereichs Arbeit und Beruf bei der VHS. Bislang gab es außer dem Neuhöfer Kurs zwei von Susanne Beh angeleitete Angebote in Weyhers und Hilders, und im Petersberger Propsteihaus startete Markus Weber im Mai 2019 mit „Digitaltreffs für Senioren“. „In Deutschland gibt es zwischen den Generationen ein riesiges Auseinanderdriften bei den digitalen Kenntnissen“, hat der 36-jährige Dozent festgestellt, dessen dritter Kurs speziell für Ältere nach Ostern beginnt.

Auch für Jüngere


Der Landkreis plant, das Angebot flächendeckend auszubauen. „Wir wollen überall dort in die Bresche springen, wo Bürgervereine ein solches Angebot nicht schon selbst auf die Beine gestellt haben“, so Listmann. Dabei denkt er an alle Altersgruppen. Schon in Kürze könne man Digitalisierung im Alltag nicht mehr umgehen, meint der Studienleiter und nennt als Beispiele Online-Banking, den vielleicht bald über App organisierten Rufbusverkehr der LNG oder das Online-Zugangsgesetz, das Bund und Länder verpflichtet, bis spätestens 2022 ihre Verwaltungsleistungen auch elektronisch anzubieten. „Es gilt zu verhindern, dass Teile der Bevölkerung von der Gesellschaft abgehängt werden, weil ihnen die digitale Kompetenz fehlt“, verdeutlicht Listmann.

Info

Wegen der gesellschaftlichen Relevanz räumt die VHS den Digitaltreffs einen hohen Stellenwert ein: Zum einen verzichtet sie auf eine Mindestteilnehmerzahl, zum anderen werden die Kurse in der Gebührenordnung als Grundbildung eingestuft, sodass ein Semester mit zehn Terminen 36 Euro kostet (was 1,80 Euro pro Unterrichtseinheit entspricht). Um das Angebot auch in Räumen ohne W-LAN durchführen zu können, wurde in einen mobilen LTE-Router investiert. Die nächsten Kurse, für die Anmeldungen möglich sind: 17. März bis 21. Juli, 10 bis 11.30 Uhr, Bürgerhaus Hosenfeld (Gerhard Fröhlich); 26. März bis 24. September, 17.30 bis 19 Uhr, Gemeindeverwaltung Dipperz (Viktor Groß); 22. April bis 19. August, 9.30 bis 11 Uhr, Propsteihaus Petersberg (Markus Weber). Informationen und Anmeldung unter www.vhs-fulda.de, Telefon 0661 6006 1600.