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„Digitalisierung und Bildung sind für die Region von großer Bedeutung“, so Landrat Bernd Woide bei der Eröffnung (2.v.l.). Weitere Akteure: (v. l.) Matthias Feuerstein, Sonja Gutermuth, Uta Riegel, Michael Friedrich, Prof. Dr. Wassilios E. Fthenakis, Gunter Geiger, Julian Heins und Lisa Laibach. Foto: M. E. Werthmüller

Das WWW ist das neue ABC

am 15.11.2019

Bildungskonferenz thematisiert Chancen und Herausforderungen des digitalen Wandels

FULDA (lai). Der digitale Wandel ist seit vielen Jahren ein Schlüsselbegriff. Das Bildungsbüro für die Region Fulda hat deshalb die dritte Bildungskonferenz mit mehr als 200 Teilnehmern rund um das Thema Digitalisierung gestaltet.

Um diesen Wandel zu gestalten und als Chance für mehr Lebensqualität, Wohlstand und gesellschaftliche Teilhabe zu nutzen, stehen alle Bildungseinrichtungen vor der Herausforderung, digitale Kompetenzen zu fördern.  „Kinder, die heute den Kindergarten besuchen, werden 2040 in die Arbeitswelt eintreten. Das bedeutet, dass wir sie auf eine Welt vorbereiten, die wir selbst nicht kennen“, betonte der Bildungsforscher und Psychologe Professor Dr. Wassilios E. Fthenakis, der als Fachredner auf der Bildungskonferenz sprach. „Wir müssen Kinder auf einen schnellen, wenig prognostizierbaren Wandel vorbereiten und vor allem auf Dinge, die noch gar nicht erfunden worden sind.“
Kinder müssten deshalb lernen, sich selbst Wissen zu beschaffen, Medien- und Kommunikationskompetenz zu erlangen, wertorientiert zu handeln und kreativ zu sein. „Nur so können wir sie auf die digitale Welt vorbereiten“, erklärte Fthenakis, der viele Jahre Präsident des deutschen Didacta-Verbands war und sich intensiv mit den Auswirkungen des digitalen Wandels auf die Bildung beschäftigt.
In den anschließenden Workshops diskutierten die Teilnehmer über das Konferenzthema entlang der Bildungsphasen des lebenslangen Lernens. In einem abschließenden Gespräch stellten die Workshopleiter die Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für ihren Bereich heraus. In der frühkindlichen Bildung gebe es starke Chancen im Bildungs- und Erziehungsplan. Die Zusammenarbeit mit den Eltern in Bezug auf Medienarbeit gestalte sich jedoch nicht immer so einfach, da das Thema oft auf Vorbehalte stoße. Trotzdem sind Medien im Kitaalter bereits wichtig, Kompetenzen müssten gefördert,  und der kritische Umgang sollte aufgezeigt werden.
In Bezug auf die schulische Bildung ging es um die Frage, wie die Schule der Zukunft auch im Hinblick auf die Kompetenzorientierung aussehen soll. Die Workshopteilnehmer wurden ermutigt, die eigene Schule mitzugestalten und Änderungen aktiv anzustoßen.
„Es gibt keinen Beruf, der ohne die Anwendung von digitalen Technologien zukunftsfähig wäre“, so der Tenor aus dem Workshop für berufliche Bildung. Berufe veränderten sich stark, 30 Prozent der Betriebe in Deutschland hätten sich jedoch noch nicht mit Digitalisierung auseinandergesetzt. Dies sei eine große Herausforderungen.
Um Herausforderungen ging es auch im Workshop Erwachsenen- und Weiterbildung. Wie können Programme von Erwachsenenbildung gestaltet sein, damit Digitalisierung gelingt? Besonders wichtig sei dabei, Nutzern Sicherheit zu bieten. Sie müssten zu Medien Vertrauen fassen, um diese im Anschluss auch zu nutzen.
Und wie fördert der Landkreis Digitalisierung? Er hat die AG Bildung und Digitales unter dem Dach des Hessencampus ins Leben gerufen. Dabei soll es Fortbildungen, Infoveranstaltungen und Exkursionen für Pädagogen und in der Bildung Tätige geben. Der Austausch über die Vermittlung digitaler Grundbildung steht hierbei im Vordergrund.
Professor Fthenakis betonte am Ende noch einmal, dass das WWW heute so wichtig sei wie zu seiner Schulzeit das ABC. „Die Bildungssysteme bewegen sich in die digitale Richtung, darauf vorbereitet sind sie aber definitiv nicht“, betonte er. „Wir müssen diesen Transformationsprozess professionell, gründlich und möglichst schnell bewältigen. Deutschland ist in dieser Hinsicht eher von Bedenkenträgern begleitet als von Menschen, die das kritisch und optimistisch angehen“, gab er zu bedenken. Das Land dürfe die Menschen in Bezug auf Digitalisierung nicht im Stich lassen.