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In Nähstuben der AWO (hier eine aus der Zeit um 1920) lernten Frauen, Kleider für ihre Familien zu nähen. Foto: Archiv AWO

Im Kino Marie Juchacz kennenlernen

am 21.10.2019

Fuldaer Kreisverband feiert 100 Jahre AWO: Foto-Wettbewerb, Doku-Vorführung und Nähstube

Fulda (sli). Eine Geburtstagsfete im Kino – das gefällt nicht nur Teenagern. Anlässlich des 100. Geburtstags der Arbeiterwohlfahrt (AWO) lädt der AWO-Kreisverband Fulda seine ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer als Dankeschön für deren Engagement ins Kino ein. 

Nach einem offiziellen Empfang wird in Kooperation mit der Kulturinitiative Kino 35 die Dokumentation „Die Hälfte der Welt gehört uns“ gezeigt – ein Film über Frauenrechtlerinnen, die zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts  in Deutschland, England und Frankreich jede auf ihre Weise für Freiheit und politische Mitbestimmung kämpften.
Wer als Zuschauer des Films in diese Zeit eintaucht, lernt auch die AWO-Gründerin Marie Juchacz kennen. Sie setzte sich nicht nur für Frauenrechte, sondern später als erstes weibliches Mitglied der Nationalversammlung in der Weimarer Republik insbesondere für die Arbeiterschicht ein. Die „Arbeiterwohlfahrt“ entstand im Dezember 1919 auf Initiative der Sozialdemokratin als Selbsthilfeverein der Arbeiterschaft. Mit Werkstätten, Suppenküchen oder Beratungsstellen sollten der verarmten Bevölkerung Perspektiven geboten werden. Auch Nähstuben gehörten zu den ersten AWO-Einrichtungen. Dort lernten Arbeiterfrauen den Umgang mit Nähmaschinen, um Kleidung für ihre Familien selbst herzustellen.
Während der Nazi-Herrschaft zerschlagen und verboten, lebte die AWO nach dem Zweiten Weltkrieg wieder auf und entwickelte sich zu einem der sechs Spitzenverbände der freien Wohlfahrtspflege in Deutschland. In Fulda gründete Erna Hosemann 1946 den ersten AWO-Verband für Stadt und Landkreis. Dieser verteilte „Care“-Pakete, organisierte Sammlungen für Bedürftige und Schulspeisungen und richtete in alter Tradition wieder Nähstuben ein. An diese Anfangsjahre erinnert im Jubiläumsjahr eine „Nähstube“ in der Geschäftsstelle der AWO in der Frankfurter Straße 28: mit Original-Nähmaschinen, historischen Fotos und ehrenamtlich gefertigten Kissen und Handytaschen, die dort erworben werden können.
Manche klassischen Projekte – wie zum Beispiel die Schuldner- und Insolvenzberatung oder „Lohn und Brot“ mit seiner bekannten Fahrrad-Werkstatt in der aufsuchenden Jugendarbeit  – haben die Zeiten bis heute überdauert, andere Beratungs-, Bildungs- und Freizeitangebote wurden immer wieder neu auf die gesellschaftlichen Veränderungen abgestimmt. 1979 etwa benötigten die nach Fulda gekommenen Gastarbeiter Unterstützung, heute sind es geflüchtete Menschen.
Wie gut deren Einbindung in die Gesellschaft gelingen kann, zeigt sich zum Beispiel an der Gästeliste zum Jubiläumsempfang: Ein Drittel der Ehrenamtlichen, die die Arbeit des Verbandes der freien Wohlfahrtspflege unterstützen, besitzt Migrationshintergrund. „Viele Angebote wären ohne die ehrenamtlichen Helfer nicht machbar“, sagt Ilona Götz, die bei der AWO für Fragen rund ums Ehrenamt zuständig ist.  Um dieses meist unbeachtet im Hintergrund geleistete Engagement zu würdigen, lädt Geschäftsführer Wolfram Latsch zu der Veranstaltung ein.
Angelehnt an das Herz-Logo der Hilfsorganisation ruft der Kreisverband zu einem Foto-Wettbewerb mit dem Titel „Zeige Herz“ auf: Bis zum 13. November können Bilder eingereicht werden,  auf denen jemand im übertragenen Sinn Herz zeigt und auf denen zugleich ein tatsächliches Herz zu sehen ist, sei es mit den Händen geformt oder aus Pappe ausgeschnitten, ein Herz-Luftballon  – oder auch eines der Kirschkern- oder Kuschelkissen in Herzform, die für den Verkauf in der Nähwerkstatt gefertigt wurden.   
Wer nicht zu den 400 offiziell eingeladenen Ehrenamtlichen des Kreisverbands gehört, der kann sich „Die Hälfte der Welt gehört uns“ am Tag darauf, 25. Oktober, im regulären Programm der Kinoinitiative 35 in der Ohmstraße anschauen.