Heute geht es auf nach Angkor Wat. Deshalb sind wir auch schon um kurz vor 5 Uhr aus den Federn gekrochen, um den ersten Eindruck der Tempelanlage im Sonnenaufgang zu genießen. Die als achtes Weltwunder bezeichneten Tempel, die einst vom Volk der Khmer erbaut wurden, sind schon lange die Hauptattraktion Kambodschas.
Die Anlage ist noch heute das größte politisch-religiöse Bauwerk der Welt und gehört seit einiger Zeit zum UNESCO-Weltkulturerbe. Das einst mächtige Volk der Khmer ging in einem Kampf gegen die Siamesen unter und hinterließ der Nachwelt nur noch das bewundernswerte Angkor Wat.Unser Tuk-Tuk-Fahrer steht also schon in den frühen Morgenstunden bereit, um uns von Siam Reap nach Angkor Wat zu bringen. Endlich dort angekommen trotten wir noch etwas verschlafen mit anderen Touristen zu einem der großen Haupttempel, dem eigentlichen Angkor Wat. Wir sitzen einige Meter entfernt auf einer Mauer, als die ersten Sonnenstrahlen schon hinter den Spitzen des Tempels hervorlugen. Mit dem magischen Morgenrot werden wir für das frühe Aufstehen belohnt. Nachdem wir To Prom auch noch von innen erkundet haben, sind wir jetzt schon hin und weg von der Sehenswürdigkeit. Dann ist es Zeit für ein Frühstück. Als wir eines der eher provisorisch gebauten Lokale betreten und die Karte studieren, wird uns schnell klar, dass sich das Frühstück in Kambodscha kaum von dem der bisherigen Länder unterscheidet. Mit unserer 13-wöchigen Erfahrung können wir also behaupten, dass das typische Touristenfrühstück aus Toast, mit ein bisschen Glück auch Butter und Marmelade, besteht, welches manchmal durch ein Baguette oder einen kleinen Fruchtsalat ausgetauscht werden kann. Kurz drauf machen wir uns wieder auf, die Spuren der Khmer zu entdecken. Mit zunehmender Uhrzeit steigt nicht nur die Anzahl der Besucher sondern auch die Hitze, und im Tempel Bayon, den wir nun besichtigen, wird es sehr heiß und eng. Wie gut, dass wir schon vor Sonnenaufgang hier waren. Geduldig stellen wir uns für den beeindruckendsten Fleck am Ende der Warteschlange an, um ungestört Fotos zu machen. Nach drei weiteren Stunden durch dunkle Katakomben und schmale Gänge treten wir wieder ins Freie und damit in die sengende Mittagshitze von Kambodscha. Mittlerweile sind wir seit acht Stunden auf den Beinen und beschließen, den Nachmittag etwas ruhiger angehen zu lassen.
"Sin Jow!", grüßen wir nun auf vietnamesisch. Hier kommt auf den Straßen keine Langeweile auf. Ein riesiger Pulk aus Motorrädern ist gewiss, wenn man der Großstadt Ho Chi Minh, ehemals Saigon, mal einen Besuch abstattet. Vietnam hat mit 85 Millionen Menschen in etwa so viele Einwohner wie Deutschland und ist, verglichen mit Laos, alles andere als fast nur Landschaft. So sind wir also vor drei Tagen in einem Bus von Siam Rep über die kambodschanische Hauptstadt Phnom Penh in Ho Chi Minh City gelandet.Im Bus waren wir die einzigen Touristen, und die Pausen inmitten von Dörfern lassen erahnen, wie das tägliche Leben hier abläuft. Kaum ist man aus dem Bus gestiegen, wird man in Beschlag genommen und zu einem kleinen Snack überredet. Doch Snack ist auch nicht gleich Snack. Am Anfang kommen die Obstverkäuferinnen mit Ananas und Bananen. Dann schlendern wir an einer Bude mit gegrilltem, undefinierbarem Fleisch vorbei, bis letzten Endes ein Geruch von irgendetwas Geröstetem in der Luft liegt. Wir laufen der Masse hinterher und hoffen, dass sie uns zum besten Essen führt. Doch hinter der Menschentraube stehen etwa zehn Verkäuferinnen, die ihre knusprig gebackenen Heuschrecken, Larven und Spinnen verkaufen. Jeder sucht sich hier seine eigene "Zuckertüte" zusammen. Uns wird von dem Spektakel fast schlecht, was ein kleiner Junge bemerkt. Er macht sich einen Spaß daraus und zerkaut die Achtbeiner mit Wonne und offenem Mund. Im Bus fühlen wir uns wieder um einiges wohler. Am frühen Abend überqueren wir die Grenze und befinden uns schließlich auf vietnamesischem Boden.Unsere Visa haben wir schon einige Wochen vorher in Bangkok beantragt, da die Einreise streng kontrolliert wird. Auch ein kleiner Gesundheitscheck ist dort vor dem Überqueren der Grenze nicht unüblich. Dabei wird die Hygiene leider alles andere als groß geschrieben, und jeder Fahrgast bekommt dasselbe Fieberthermometer ins Ohr gesteckt. Doch was soll’s. "Was nicht tötet, härtet ab", denken wir und kommen einige Stunden später, es ist schon Abend, in Ho Chi Minh City an: tausend bunte Lichter, Leuchtreklamen und ein Verkehrschaos wie so ziemlich in jeder asiatischen Riesenmetropole. Wir sind gespannt und freuen uns auf morgen, wenn sich Vietnam uns zum ersten mal im Tageslicht offenbart.





