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Kurze, verständliche Anweisungen mit Ja-Nein-Fragen: So wie die Anwendung der Deutschen Herzstiftung muss eine gute Erste-Hilfe-App aussehen, sagen Experten. Fotos: Deutsche Herzstiftung/mag

Wozu Erste-Hilfe-Apps nützlich sind

am 06.12.2017

Unterstützung per Smartphone für Notfälle/Eher als Ergänzung zu betrachten

BERLIN (mag). Laien können Leben retten, wenn sie in medizinischen Notfällen sofort mit der Wiederbelebung beginnen. Erste-Hilfe-Apps wollen dabei unterstützen.

Viele Smartphones verfügen mittlerweile unabhängig vom Betriebssystem über einen vorinstallierten Notfallpass, der auch bei gesperrtem Bildschirm eingesehen werden kann. Besitzer älterer Smartphones können sich Apps wie „Notfall ID“ (Android) auf ihr Handy laden. Darüber bekommen Helfer im Notfall theoretisch wichtige Informationen wie Name, Notfallkontakt, Blutgruppe und Allergien.
Silvia Darmstädter vom Deutschen Feuerwehrverband glaubt aber nicht, dass solche Apps im Ernstfall etwas nützen: „Um erst nach einem Handy zu suchen, ist im Notfall keine Zeit.“ Sie könne sich eher vorstellen, dass Infos später im Krankenhaus von Vorteil sind, um Angehörige zu kontaktieren.
Interaktiv durch den Notfall
Lennart Holtkämper vom Fachmagazin „Connect“ findet die auf dem Smartphone hinterlegten Notfallinfos datenschutzrechtlich bedenklich: „Jeder kann die Daten abrufen. Außerdem können das Telefon auch verwechselt und die Daten falsch zugeordnet werden. Deshalb prüfen Ärzte im Ernstfall die medizinischen Angaben noch einmal selbst.“
Eine größere Unterstützung in der Praxis seien dagegen Erste-Hilfe-Apps, die Handlungstipps für den Ernstfall bieten. Sowohl Organisationen wie das Deutsche Rote Kreuz (DRK), der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und die Malteser als auch einzelne Stiftungen wie die Deutsche Herzstiftung bieten Apps an.
Das DRK bietet gleich zwei Apps an: Die erste, „Mein DRK“, ist kostenlos. Nutzer finden dort Notrufnummern und die Rubrik „Mein kleiner Lebensretter“. Darunter ist erklärt, wie man Notfälle, beispielsweise einen Schlaganfall oder Herzinfarkt, erkennt und reagiert. Die Anleitungen sind für Notfälle aber zu lang, und zu den wichtigen Tipps muss man scrollen. Die zweite heißt „Erste Hilfe“. Sie kostet für Androiden 0,89 Cent und für iPhones 1,09 Euro. Sie beinhaltet neben dem Kleinen Lebensretter eine interaktive Begleitung im Notfall durch Ja-Nein-Fragen. Außerdem kann man über die App einen Notruf absetzen.
Während die Apps des DRK sehr umfangreich sind und technisch gut funktionieren, ist die des ASB veraltet und deshalb nicht empfehlenswert, sagt Holtkämper. Das gelte auch für die Malteser-App. Die App „Notfall-Hilfe“ der Pass Consulting Group liste dagegen übersichtlich Szenarien auf und erklärt, was zu tun ist. Über sie kann der Nutzer außerdem einen Notruf absetzen und sich den Rhythmus für Herzdruckmassagen vorspielen lassen. Sie bestimmt auch die aktuelle Position und kann sie versenden.
Die App der Deutschen Herzstiftung ist nur auf Herz-Notfälle spezialisiert. Dafür ist sie äußerst übersichtlich und führt mit klaren Ja-Nein-Fragen auch durch Notsituationen.
Prof. Bernd Böttiger ist Experte für Wiederbelebung. Er erklärt, dass die Schritte „Prüfen, Rufen, Drücken“ im Ernstfall besonders wichtig sind und ihre Berücksichtigung deshalb unter anderem eine gute App ausmachen. Die App der Deutschen Herzstiftung folgt genau diesen Schritten und sei als einzige ausreichend übersichtlich, um sie im Notfall einigermaßen schnell bedienen zu können.

Leitstelle

Intensivmediziner Prof. Bernd Böttiger sieht Notfall-Apps  grundsätzlich kritisch: „Wenn man einen Notruf absetzt, kann die Leitstelle telefonisch kompetentere Hilfe bei der Reanimation leisten und viel besser auf den Ersthelfer eingehen.“ Da die Telefonreanimation nicht von allen Leitstellen angeboten wird, fände er Apps wie etwa „Mobile Retter“ sinnvoller.

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