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Selbstbewusst: Rund fünf Meter dicke Steinmauern und mehrstöckige Türme mit Fachwerkgeschoss prägen Hessens größte Höhenburg Herzberg noch heute. Die Burg hielt Belagerern stand und wurde nie erobert, verlor aber zum Ende des 17. Jahrhunderts ihre militärische Bedeutung. Heute wohnt die Familie des Gastwirts dauerhaft in der Anlage; im Wohnturm (Hintergrund) hat sich der Burgherr eine kleine Bleibe eingerichtet. Fotos: Norman Zellmer

Auf den Spuren mutiger Ritter und adliger Herren

am 09.11.2017

Burgen und Schlösser im und rund um den Vogelsberg bieten facettenreiche Geschichte(n)

BREITENBACH (zel). Der Vogelsberg ist reich an Sehenswürdigkeiten, Ausflüge lohnen sich. Abwechslungsreich ist die Vielfalt an Burgen und Schlössern. Einige der historischen Gebäude sind öffentlich zugänglich. Sie sind heute Museum, Schulungsstätte oder bieten modernen Luxus für Gäste – und immer einen Blick in die Geschichte.

„Guten Tag! Ist das Ihre Burg?“ Ein kleiner Junge in einer Gruppe von mehr als 30 Erwachsenen mit Kindern und Jugendlichen hat sich ein Herz gefasst und spricht den älteren Herrn an, der soeben das hölzerne Tor geöffnet und danach die Gäste freundlich hereingebeten hatte.
In der Tat, es ist seine Burg: Die Freiherren von Dörnberg haben seit genau 540 Jahren und 32 Generationen das Sagen auf Burg Herzberg – ohne Unterbrechung. Mehrere Familienwappen auf dem Gelände zeugen davon. Jürgen Freiherr von Dörnberg und Frau Beatrix sind die aktuellen Burgherren. Der 78-Jährige gibt gerne Auskunft über die imposante Anlage, die die größte Höhenburg Hessens ist und die er als „Nationales Denkmal von besonderer Bedeutung“ erhalten möchte.
Beinahe täglich ist das Tor geöffnet; für angemeldete Gruppen, die mehr aus dem Vogelsberg kommen als aus dem Hersfeldischen, bietet der Burgherr persönlich Führungen an. Grundschulklassen werden stets von einer ganzen Gruppe kostümierter Ritter empfangen, die mit ihnen einen Tag lang das Bogenschießen üben, mittelalterlich speisen und einen Einblick in die Geschichte des Mittelalters geben. „Ich bin drei- bis viermal in der Woche hier oben“, sagt Freiherr von Dörnberg. Eigentlich wohnt er nicht auf der Burg; seinen Wohnsitz hat er unten an der Hauptstraße auf Hof Huhnstadt. Bei größeren Veranstaltungen bleibt er aber schon mal über Nacht auf der Burg. Eine kleine Wohnung ist in einem der Türme eingerichtet. „Die Sonnenaufgänge sind einfach schön hier“, sagt er und deutet mit Arm und Hand auf den Horizont; von hier bietet sich an klaren Tagen ein Blick zur Wasserkuppe, zum Inselsberg und in den Knüll.
Die Ursprünge der stattlichen Anlage reichen bis zu den Anfänge des hessischen Fürstenhauses zurück. Ende des 13. Jahrhunderts hatten die Herren von Romrod wegen der strategisch wichtigen Lage an einer Heer- und Handelsstraße zwischen Frankfurt und Leipzig und zwischen den Interessensgebieten mehrerer Grafschaften und Abteien eine Burg mit Wehrkirche auf dem 508 Meter hohen Basaltgipfel des Herzbergs errichtet. Über mehrere Zwischenstationen kam die Burg schließlich 1477 vollständig in den Besitz der Freiherren von Dörnberg, die sie auf einen Hektar vergrößern und stark befestigen ließen. „Die Mauern aus Buntsandstein sind rund fünf Meter dick“, erklärt von Dörnberg. Die Westmauer des Palas, des einst repräsentativen Saalbaus des Komplexes, steht auf der Gemarkungsgrenze der Stadt Alsfeld. Der Herzberg ist damit Teil des Vogelsbergs. Noch heute hat die Burg, die einst sieben Türme mit jeweils zwei Kasematten, vielen Kanonen und Graben prägte, das Erscheinungsbild einer Festung.
Rund 80 Ritter haben laut von Dörnberg, der an der Burg aufgewachsen und seit 1979 wieder in Breitenbach wohnt, zur Besatzung gehört. Und sie haben nie kapitulieren müssen: Wegen ihrer starken Befestigung sei die Burg nie erobert worden, wenngleich sie, erzählt der Breitenbacher, im Dreißig- und Siebenjährigen Krieg belagert worden war. Im Krisenfall fanden bis zu 2000 Menschen umliegender Dörfer Schutz in dem gesicherten und schwer bewaffneten Areal. Nach 1786 verlor die Festung ihre militärische Bedeutung und wurde sogar zeitweise als Steinbruch genutzt; später beherbergte sie eine Försterei.
Bekannt und berühmt blieb Burg Herzberg dennoch: Weil seit 1968 das Burg-Herzberg-Festival – in den Anfangsjahren fand es direkt an der Burg statt, jetzt am Fuße des Berges – ausgetragen wird, pilgern alljährlich rund 15 000 Musikfans nach Breitenbach und machen die Gegend zur größten Hippie-Versammlung Europas. „Dann wird die Burg wieder belagert und eingenommen“, sagt Jürgen von Dörnberg scherzend, der als gelernter Mechaniker und viele Jahre als Konstrukteur und Autoverkäufer in München gearbeitet hat. Für viele Besucher der Juli-Veranstaltung, die von einer Fuldaer Firma organisiert wird, gehört der Spaziergang auf den Gipfel dazu.
Aber auch sonst finden sich beinahe täglich Besucher auf dem Berg und an der Burg ein. Grund ist neben Märkten und Veranstaltungen an den alten Mauern die Burgschänke in der Vorburg – die Pächter sind dauerhafte Bewohner der Burg. Sie lädt zum Verweilen ein. Inzwischen kommen auch Gäste von weiter her: Denn die Burg Herzberg liegt an mehreren Wanderwegen – unter anderem am Lutherweg. Hintergrund ist die Dörnbergsche Familiengeschichte: Ein direkter Vorfahre Jürgen Freiherr von Dörnbergs war mit dem Reformator befreundet, wurde glühender Anhänger seiner Lehre, begleitete ihn gar auf dem Weg nach Worms und soll auch an der „Entführung“ Luthers auf die Wartburg beteiligt gewesen sein. Stolz zeigt sich der Burgherr auf diese Episode. Sogar in der Kapelle der Burg habe Luther gepredigt. Diese und andere wissenswerte Anekdoten rund um Familie, Anlage und Region erzählt der Burgherr gern bei den Führungen durch seine Burg.

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