Menü Button Login Button
mk Logo
Marktkorb Logo
Viel Balance und Geschick verlangen die einzelnen Parcours des Kletterwalds den Besuchern ab – Muskelkater inklusive. Fotos: Christiane Hartung

Auf Eichhörnchens Spuren von Baum zu Baum

am 10.08.2017

Der Kletterwald auf dem Hoherodskopf bietet auf zehn Parcours Nervenkitzel in luftiger Höhe

SCHOTTEN (chh). Die Freiheit scheint grenzenlos zu sein – zwischen den Baumwipfeln leichtfüßig von Baum zu Baum springen, als hätte man nie etwas anderes gemacht. Was sonst nur Eichhörnchen und anderen grazilen Waldbewohnern vorbehalten ist, kann auf dem Hoherodskopf in Schotten jeder Besucher selbst ausprobieren.

Ein leicht mulmiges Gefühl beschleicht mich in 15 Metern Höhe über dem Waldboden. Hoch oben auf den kleinen Plattformen, die an den Bäumen befestigt sind, ist der Moment der Wahrheit. Schaffe ich es oder verliere ich gegen meine Höhenangst? Die Blöße will ich mir nicht geben, konzentriere mich auf den Pfad aus Brettern und Stahlseilen vor mir und ignoriere den zwischen den Hölzern hervorblitzenden Untergrund aus Farnen, Büschen und Laub.
Gefühlt Millimeter um Millimeter schiebe ich den Fuß vorsichtig in Richtung Abgrund, warte bis ich die lustig vor sich hin schaukelnde Holzstufe gut vor mir platziert habe, damit sich der Tritt einfacher setzen lässt. Für kurze Beine gestaltet es sich etwas schwieriger, doch mit etwas Schwung gelingt auch das. Allerdings bis man geschmeidig wie ein Eichhörnchen von Baum zu Baum flitzen und springen kann, bedarf es viel Balance, einiger Übung und auch einer gehörigen Portion Mut.
Aber von Übung zu Übung wird es leichter: Selbstvertrauen und Adrenalin machen es möglich. Denn was sollte schon passieren? „Mit diesem Haken seid ihr immer gesichert“, hat Katharina Lack bei der Einweisung erklärt. „Egal wie sehr ihr daran zieht und rüttelt, er wird sich niemals öffnen.“ Die junge Studentin arbeitet bereits ihre vierte Saison im Kletterwald auf dem Hoherodskopf und die Arbeit in der Natur und an der frischen Luft bereiten ihr sichtlich Spaß.
Ohne eine ausführliche Einweisung, wie sich Besucher auf dem Parcours sichern und benehmen sollten, gibt es kein Bändchen und damit keinen Zutritt zu den Bäumen. Das hat seinen guten Grund. Sichert man sich nicht richtig, kann das im Notfall ernste Folgen haben. Aber auch darauf, dass man auf den einzelnen Segmenten der Parcours alleine unterwegs ist und niemals mit mehreren, gilt es zu achten. Denn durch die Schwingungen durch eine andere Person, kann man schnell das Gleichgewicht verlieren und fällt in seine Sicherung hinein.
Doch manchmal geht es nicht mehr weiter – entweder weil man wortwörtlich eben in den Seilen hängt, sich nicht mehr weiter traut oder einen die Kräfte verlassen haben. Alles kein Problem für die Mitarbeiter des Kletterwalds. „An jeder Stelle können wir euch sicher vom Baum holen. Ihr müsst einfach nur nach uns rufen“, gibt die junge Frau weitere Instruktionen. Immer wieder läuft sie oder ihre Kollegen durch den knapp 20 000 Quadratmeter großen Wald. Sie halten Ausschau nach Hilfesuchenden und schauen, ob bei den Besuchern noch alles in Ordnung ist. „Wir müssen regelmäßig Leute von dort oben herunter holen“, sagt sie. Doch heute muss niemand aus luftiger Höhe gerettet werden.
Ein wichtiger Hinweis für die Kletterer sind die Hinweistafeln, die jeweils die Einstiege der insgesamt zehn Parcours markieren. Sie geben Auskunft darüber, wie schwer die jeweilige Strecke ist – von leicht über mittel bis schwer und Profi. Insgesamt 110 Übungen auf knapp 2,5 Kilometern versprechen nicht nur alten Kletterhasen, sondern auch Anfängern jede Menge Spaß.
Doch das Schönste am Ende jeden Parcours ist die Seilbahn. Auf einer kann man sogar über 130 Metern rasant quer durch den Wald fliegen. Dabei lege ich, wie die Studentin es mir gezeigt hat, eine Hand auf der Rolle ab, mit der anderen umfasse ich von hinten das Stahlseil. So kann ich mit den hitzesicheren Handschuhen bewaffnet selbst bestimmen, wie schnell es abwärts gehen soll und nötigenfalls bremsen. Auch hier ist es wichtig, erst die Seilbahn herunterzurutschen, wenn der Vordermann sich ausgehakt und die Landefläche verlassen hat. Sonst kann es zu üblen Zusammenstößen kommen.
So sicher wie das Amen in der Kirche ist allerdings auch der Muskelkater nach dieser intensiven Trainingseinheit – zumindest für blutige Kletter-Anfänger wie mich. Daher sollte man vorsichtig sein und sich nicht gleich zu Anfang zu sehr überschätzen. Gerade Arm- und Beinmuskulatur werden durch die Balance-Akte und das Halten stark beansprucht.
Wer es nicht ganz so sportlich mag, aber dennoch einen luftigen Ausflug auf Eichhörnchens Spuren unternehmen möchte, für den ist der Baumkronenpfad genau das Richtige – gemütlich und mit wesentlich weniger Adrenalin. Hier führen nach dem Vorbild des Nationalparks in Ghana Hängebrücken zwischen den Bäumen entlang. Ein wundervoller Blick in den Vogelsberg, dem Land der tausend Hecken, begleitet den Besucher. Das Besondere: Der Weg führt über eine gesicherte Holz- und Stahlkonstruktion, ist vollständig schwebend und nur mit den einzelnen Bäumen verbunden. Der insgesamt 600 Meter lange Pfad ist Europas einziger Baumkronenpfad mit Hängebrücken.
Bereits wenige Meter hinter dem Eingang – noch bevor es auf die „Schwebebalken“ geht – befindet sich ein kleiner Stall, in dem Schafe zuhause sind. Auch wenn sie wollig weich aussehen, so wollen sie doch nicht von jedem angefasst werden. Allerdings stellen sie sich für ein Erinnerungsbild gerne in Pose.

www.hoherodskopf-info.de
www.naturpark-vulkanregion-vogelsberg.de
www.kletterwald-hoherodskopf.de
www.baumkronenpfad.de
www.sommerrodelbahn-hoherodskopf.de

Social Button Facebook Social Button Facebook - Wide
Social Button Google+ Social Button Google+ - Wide
Social Button Twitter Social Button Twitter - Wide

Neuste Artikel

Bildergalerien