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Gerhard Hörl, Reiner Eichhorn und Volker Höfner (von links) vor der prachtvollen Blumenwiese. Fotos: Suria Reiche

Hier fühlen sich nicht nur Menschen wohl

am 09.08.2017

Die Kleingartenanlage Johannisau ist ein Paradies für alle Tiere

FULDA (sur). In einer der ältesten Kleingartenanlagen Deutschlands darf jeder sein, wie er will. Hier in der Johannisau treffen Rentner auf junge Familien, penibel gepflegte Gärten auf verwunschene Oasen und Menschen auf Lebewesen, deren Erhalt schützenswert ist: Bienen, Wespen und Co. Einige von ihnen haben hier in der Anlage ein Zuhause gefunden – der Vorstand des Kleingartenvereins will den Insekten ihren Lebensraum zurückgeben.

Für den Erhalt unseres Ökosystems sind Insekten wie die Biene unerlässlich. „Seit Jahren aber stirbt weltweit ein Großteil der Bienenpopulationen“, sagt der Nabu. Dieser warnt außerdem vor einem neuartigen Insektensterben mit bislang unbekannten Folgen. Doch bleiben wir bei den Bienen. Kaum zu glauben, aber der Mensch ist auf die kleinen Lebewesen angewiesen. Auf ihrer Nahrungssuche, die später in der Produktion von Honig endet, trägt sie an ihren Flügeln und Beinen die Pollen von Blüte zu Blüte weiter und ist so laut Nabu die primäre Bestäuberin für über 80 Prozent aller landwirtschaftlichen Nutz- und Wildpflanzen. Ohne die Biene gäbe es also kein Obst, kein Gemüse und keine Blumen.

Der Umwelt etwas zurückgeben

Gedanken, die man sich auch im Vorstand des Kleingartenvereins Johannisau gemacht hat. „Es ist fünf nach zwölf“, sagt Reiner Eichhorn, „deswegen wollen wir versuchen, der Umwelt etwas zurückzugeben.“ Gemeinsam mit Volker Höfner und Gerhard Hörl aus dem Vorstand des Vereins steht er vor dem Vereinsheim in der Anlage. Daneben ist in den vergangenen Wochen eine kunterbunte Blumenwiese gewachsen, auf der bei Sonnenschein wildes Treiben herrscht. „Das ist einer der Beiträge von uns, um zu signalisieren, dass man für Naturschutz gar nicht so viel Platz braucht“, sagt Eichhorn und geht in die Hocke, um einer Schwebfliege dabei zuzuschauen, wie sie sich auf einer der Blüten niederlässt.
Die Mischung, die hier im Frühjahr ausgesät wurde, ist von der Firma Mössinger Sommer und beinhaltet über 35 Arten und Sorten Sommerblumen. Die Pflanzen bieten Wildbienen, Hummeln, Schmetterlingen und Co. nicht nur ein reichhaltiges Nektar- und Pollenangebot, sondern sind zugleich Lebensraum, Rückzugsgebiet und Winterquartier.
„So ein Blumenbeet mit Wildblumen kann jeder in seinem eigenen Garten pflanzen und damit der Natur helfen“, findet Hörl. Und das, was er sagt, bekräftigt auch der Nabu auf seiner Homepage: „Unterstützen Sie Bienen, indem Sie in Ihrem Garten oder auf Ihrem Balkon bienenfreundliche Pflanzen ziehen“, steht dort. „Bienenfreundlich“ – damit sind keine gezüchteten Blumensorten gemeint. „Die haben keinen Nektar mehr und sind somit nutzlos für die Tierwelt“, so Eichhorn.
In dem prächtigen Blumenbeet in der Anlage des Kleingartenvereins jedoch surrt und summt es bei Sonnenschein nur so. Man kann Stunden damit verbringen, dem geschäftigen Treiben zuzuschauen.
Aber dann würde man die vielen anderen Stationen in der Anlage verpassen, die der Vorstand und die Mitglieder hier zum Umweltschutz initiiert haben. Nur wenige Meter neben der Blumenwiese steht eines von unzähligen sogenannten Insekten-Hotels, die hier in der siebeneinhalb Hektar großen Anlage aufgestellt wurden und in denen Insekten nisten können.
Eins davon hat Reiner Eichhorn selbst in seinem Garten – und zwar ein besonders prachtvolles Exemplar, in dem man die Tiere durch Glasscheiben beobachten kann. Auch ein Kasten speziell für Hummeln hat hier seinen Platz gefunden. Direkt vor der „Benjeshecke“ aus locker aufeinandergelegten Ästen und Zweigen, die Vögeln und anderen Tieren Schutz und Nahrung bieten sollen, sodass diese mit ihrem Kot oder ihren Nahrungsdepots das Aussamen von Gehölzen beschleunigen sollen. Schön sieht sie aus. Genauso wie der Sommerflieder, der ein paar Schritte weiter blüht und ein wahres Paradies für Schmetterlinge ist. Die freuen sich darüber wohl genauso wie die Wildbienen und Wespen, die von den heruntergefallenen Äpfeln naschen dürfen, die in der Kleingartenanlage extra liegengelassen werden, damit die Tiere Nahrung haben. „Und was denken Sie, wie viele Wespen hier besoffen von dem gegorenen Obst wegfliegen“, sagt Hörl, lacht und erzählt, dass er besonders stolz darauf ist, dass der Nabu hier bei seinem letzten Rundgang 35 verschiedene Vogelarten zählen konnte. Darunter auch gefährdete Arten wie den Wendehals.
Überhaupt ist man hier im Kleingartenverein Johannisau stolz auf die prächtige Oase der Natur, die man so nah an der Stadt geschaffen hat. „Nur manchmal würden wir uns bei unserer Arbeit mehr Unterstützung von der Stadt wünschen. Wir wollen so viel verändern, und dafür brauchen wir manchmal auch technisches Werkzeug, das sich unser Verein nicht leisten kann“, sagt der zweite Vorsitzende Hörl, „wir geben ja auch viel zurück.“ Eine Oase für Tiere und Menschen zum Beispiel.

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