Menü Button Login Button
mk Logo
Marktkorb Logo
Heute ist die Kläranlage Fulda Gläserzell die zweitgrößte ihrer Art im Regierungsbezirk Kassel. Foto: Abwasserverband Fulda

Vom Grabensystem zum Großklärwerk

am 10.01.2018

Die Entwicklung der Siedlungsentwässerung in der Stadtregion Fulda – ein Überblick aus Anlass des Verbandsjubiläums

FULDA (ja/jo). Bis in das 19. Jahrhundert erfolgte die Ableitung des Schmutz- und Regenwassers in der Stadt Fulda weitgehend über Grabensysteme, die im Laufe der Zeit abgedeckt oder verrohrt wurden. Bereits 1840 beschloss der Magistrat einen „Allgemeinen Plan für das Anlegen von Kanälen in hiesiger Stadt behufs einer festen Regelmäßigkeit im Kanalbau“. Weitere Beschlüsse zum Kanalbau folgten in den Jahren 1887, 1894 und 1902.

Die industrielle Entwicklung mit dem Wachstum der Bevölkerung zu Beginn des 20. Jahrhunderts brachte ei-nen verstärkten Ausbau der Kanalisation mit sich. Ein erster großer Schritt hin zur geordneten Abwasserentsor-gung war 1905 der Bau der ersten Fuldaer Kläranlage für rund 25 000 Einwohner am Breiten Weg im Bereich des heutigen Weimarer Park-platzes. Mit dem industriellen Wachstum und dem Bevölkerungsanstieg nach 1945 war das Klärwerk „Breiter Weg“ rasch überlastet, sodass die Anlage 1952 auf eine Ausbaugröße von 80 000 Einwohnerwerten erweitert werden musste.
Es wurden ein Rechen, ein großes Absetzbecken und ein beheizter Faulturm für den anfallenden Klärschlamm gebaut. Der Kläranlagenstandort lag aber mittlerweile sehr nahe am Stadtzentrum, auch konnten Teilgebiete der damaligen Stadt nicht mehr im freien Gefälle angeschlossen werden. Allerdings wurden schon damals Abwässer der Gemeinde Petersberg übernommen und mit gereinigt.
Mit der Erschließung weiterer großer Neubaugebiete und Industrieansiedlungen ging die Entwicklung in der Stadtregion rasant weiter. Bedingt durch die topographischen Gegebenheiten musste ein neuer Kläranlagenstandort, an den auch die Stadtrandgemeinden angeschlossen werden konnten, an zentraler Stelle Fulda abwärts geplant werden. In Abstimmung mit der Wasser-Wirtschafts-Administration wurde 1960 ein Entwässerungskonzept vom Regierungspräsidium Kassel genehmigt, das die Entwässerung der Stadtrandgemeinden berücksichtigte und einen zentralen Kläranlagenstandort unterhalb der Ortslage von Gläserzell vorsah.
Allerdings zogen sich die unter Federführung der Stadt Fulda und des Landrates des Landkreises Fulda geführten Verhandlung zur Organisation der Abwasserentsorgung in Form eines Zweckverbandes über Jahre hin, sodass der Abwasserverband Fulda erst am 1. Januar 1968 seine Arbeit aufnehmen konnte.
Verbandsmitglieder waren die Stadt Fulda und 17 damals noch selbstständige Stadtrandgemeinden. Der Verband erledigte die Aufgabe der Abwasserentsorgung und übernahm die vorhandenen Entwässerungsanlagen, einschließlich aller Rechte und Pflichten. Die Stadt Fulda überstellte in diesem Zuge das gesamte Personal seiner Kanalbauabteilung, einschließlich der technischen Ausstattung.
Der damalige Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Alfred Dregger war Gründungsverbandsvorsteher und Dipl.-Ing. Hans-Hermann Schwarz der erste Geschäftsführer des Abwasserverbandes Fulda.
Mit dem Bau der großen Verbindungssammler von den Ortsteilen hin bis zum Klärwerk, der Erschließung von neuen Wohnbau- und Industrieflächen und insbesondere mit dem Neubau des Zentralklärwerkes Fulda-Gläserzell in 1972-1974 sowie dem Endausbau 1985-1987 wurden seinerzeit riesige Investitionsprogramme umgesetzt.
Durch die kommunalen Zusammenlegungen im Rahmen der Gebietsreform, besteht der Verband seit 1972 aus der Stadt Fulda sowie den Gemeinden Künzell und Petersberg. Seit 1991 erstreckt sich das Verbandsgebiet insgesamt auf die voll-ständigen Gebietsflächen der Mitgliedskommunen.
Heute beschäftigt der Abwasserverband 84 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und betreibt ein 800 Kilometer langes Kanalnetz mit 180 Sonderbauwerken, wie Pumpwerke und Regenrückhalteanlagen, mit denen das Abwasser sicher abgeleitet wird.
In den drei Klärwerken Fulda-Gläserzell, Petersberg-Marbach sowie im Industriegebiet Fulda-West werden die in der Stadtregion anfallenden Abwässer aus Industrie- und Gewerbe und von 100 000 Einwohnern rund um die Uhr auf hohem Niveau gereinigt. Das Klärwerk Fulda-Gläserzell ist mit einer Ausbaugröße für 150 000 Einwohnerwerte die zweitgrößte Kläranlage in Nord- und Osthessen.
Die gemeinschaftliche Abwasserentsorgung in der Stadtregion durch den Abwasserverband Fulda ist ein Konzept für eine funktionierende interkommunale Zusammenarbeit, das bis heute aufgeht und in der Lage ist, kommenden Herausforderungen schlagkräftig zu begegnen. Im 50. Jahr seines Bestehens ist der Verband gut aufgestellt und leistet einen wesentlichen Beitrag zum Schutz der Umwelt, zur Erhaltung der Lebensqualität und der nachhaltigen Entwicklung in der Region Fulda.

Neuste Artikel

Bildergalerien