Menü Button Login Button
mk Logo
Marktkorb Logo
Natalia Oldenburg: Die Leiterin der Musikschule der Stadt Fulda steht im Blickpunkt der heutigen Auftaktgeschichte zur Serie zum Thema „50 Jahre Musikschule Fulda“. Foto: Stadt Fulda

"Jedem das Bestmögliche ermöglichen"

am 10.10.2017

Serie (Teil1): Musikschulleiterin Natalia Oldenburg über ihren Werdegang – und das Unterrichtskonzept der Musikschule

FULDA (nol). Seit 1. Februar 2017 leitet Natalia Oldenburg als Nachfolgerin von Christof Stibor, der an die Spitze des Schlosstheaters gewechselt ist, die Musikschule der Stadt Fulda. Schon vorher war sie dort als Lehrerin für Geige und Bratsche tätig. Im ersten Teil unserer neuen Serie (siehe Kasten) beschreibt Natalia Oldenburg ihren eigenen musikalischen Werdegang sowie die positiven Erfahrungen mit dem Lern- Fördersystem der Musikschule Fulda.

Wissen Sie, wie ich angefangen habe, Geige zu spielen? Eine junge Lehrerin kam in unsere Grundschulklasse in meiner ukrainischen Heimat und fragte, ob jemand Interesse hätte, die Geige an der Musikschule zu lernen. Eigentlich hatte ich vorher nie darüber nachgedacht, aber die Lehrerin war so charismatisch, so freundlich, dass ich mich sofort gemeldet habe. Sie war jung und nicht sehr erfahren, konnte aber sehr liebevoll und geduldig die Liebe zur Musik, zum Instrument und zum Musizieren vermitteln – dafür bin ich bis heute sehr dankbar.
In den Kinderjahren prägen uns die Lehrerpersönlichkeiten ganz besonders, denn der Lernprozess ist viel mehr, als reine Wissen- und Kenntnisvermittlung. Damals in meinem Heimatland gab es ein sehr traditionsreiches und fundiertes Musikschulsystem: Neben den Schulen-Internaten für hochbegabte Kinder gab es die kommunalen Musikschulen, die den Weg zum aktiven Musizieren sowie zur beruflichen Ausbildung ermöglichten. Für die Schüler, die Musizieren als schönes Hobby gesehen haben, gab es sogenannten „Musikstudios“, wo Kinder einmal in der Woche kostenlosen Musikunterricht erhalten haben.
Nur eines war schwierig: der Übergang von einer Musikeinrichtung in die andere. Da die Musikschulen einen einheitlichen Lehrplan hatten, war es für die Schüler sehr schwer, das verpasste Material nachzuholen. Jeder, der von der Hauptschule ins Gymnasium gewechselt hat, weiß, wovon ich rede.
Umso mehr freue ich mich, dass es an der Musikschule in Fulda anders geht. Die Lehrpläne bieten uns eine Richtung, haben aber keine strenge Zeitvorgaben oder Fristen. So können wir das tun, was wir als unsere Hauptaufgabe sehen: jedem Schüler das Bestmögliche zu ermöglichen. Ohne Konkurrenzdruck von außen, ohne Noten oder Bewertungen kann das Lerntempo immer wieder neu individuell angepasst werden. Die Gruppen für Musikalische Früherziehung für die Kleinsten, Musikalische Grundausbildung für die Erstklässler, Vokal- und Instrumentalunterricht, der individuell oder in einer Gruppe stattfinden kann, bilden die Kernaufgabe der Musikschule.
Ob für Anfänger, Fortgeschrittene oder Fast-Profis: Mehr als 20 verschiedene Ensembles der Musikschule bieten die Möglichkeit, gemeinsam zu musizieren. Seit diesem Jahr ist die Teilnahme in Ensembles für alle, auch für diejenigen, die keinen Einzelunterricht an der Musikschule belegen, kostenfrei.
Für die Spitzenkönner besteht eine Möglichkeit, rechtzeitig in die Studienvorbereitende Ausbildung zu gehen. Neben dem Haupt- und Nebeninstrument lernen die zukünftige Profimusiker Theorie und werden so für die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule vorbereitet. Es ist immer eine große Freude, den jungen Menschen zu helfen, ihren Lebenstraum, Musiker zu werden, zu verwirklichen.
Einen Menschen vom Grundschulalter bin ins Studium zu begleiten – das ist keine einfache Aufgabe, die sehr viel Fachwissen, Methodenvielfalt, Liebe, nachhaltiges Handeln und Geduld und erfordert.
 Als ich vor 20 Jahren angefangen habe zu unterrichten, hat mir eines am meisten gefehlt – die Geduld. Denn die ersten Erfolge lassen oft auf sich warten, und die Lernprozesse lassen sich nicht beschleunigen. „Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht“ – das alte Sprichwort stimmt schon, aber wenn wir eine Eiche in einen kleinen Blumentopf stecken, wird sie auch nicht automatisch zum Bonsai! So müssen die Lehrer mit Hilfe von eigener Erfahrung, Wissen und Liebe das Richtige für jeden Schüler erkennen.
Als Schulleiterin habe ich viele verschiedene Aufgaben. Eine davon ist das Planen von Konzertveranstaltungen. Für jedes Konzert (und es sind mehr als 80 im Jahr!) melden die Lehrer ihre Schüler an, und ich stelle das Programm zusammen. Das ist besonders schön – so wie die letzten Vorbereitungen auf ein großes Fest, denn die Musikschule Fulda ist für ihre Veranstaltungen weit überregional bekannt. Schüler zu sehen, die stolz auf eigene Arbeit sind und glücklich, die Musik mit anderen teilen zu können – diese Momente am Konzertabend sind besonders bewegend.
Im kommenden Jahr feiert die Musikschule Fulda ihr 50-jähriges Bestehen. Die Vorbereitungen für die Festwoche laufen bereits und – so viel kann ich verraten – werden von vielen Schülern der Musikschule von heute und damals mitgestaltet. Denn wir alle – Schüler, Lehrer und Eltern – machen die Musikschule zum Ort der Begegnung, wo die Musik zum roten Faden durchs Leben wird.

Neue 50 Serie: Jahre Städtische Musikschule Fulda

Im kommenden Jahr 2018 feiert die Musikschule der Stadt Fulda ein rundes Jubiläum:Sie wird 50 Jahre alt. Wir nehmen dies zum Anlass, in diesem und im nächsten Jahr in einer neuen Serie über verschiedenste Aspekte aus der Geschichte und der Gegenwart dieser traditionsreichsten musikalischen Bildungseinrichtung unserer Stadt zu berichten.
So sollen unter anderem die Ensembles der Musikschule vorgestellt werden, aber auch der Förderverein oder ehemalige Schülerinnen und Schüler, die inzwischen in der Musikwelt Karriere gemacht haben.
Den Anfang macht die Leiterin der Musikschule, Natalia Oldenburg, die seit Februar dieses Jahres im Amt ist, mit einem selbstverfassten Porträt ihrer Person und „ihrer“ Muskschule.

Neuste Artikel

Bildergalerien