Hünfeld. Der schulische Alltag ist – nicht zuletzt aufgrund der viel zitierten "Pisa"-Studie – vielen Veränderungen unterworfen. Eine davon ist das Modellprojekt "Selbstverantwortung Plus" (SV plus), das seit 1. Januar 2005 an 17 beruflichen Schulen in Hessen durchgeführt wird. Die Konrad-Zuse-Schule in Hünfeld ist die einzige Schule des Landkreises Fulda, die sich daran beteiligt. Gerhard Herget, der seit August 2009 dem Kollegium vorsteht, gerät denn auch ins Schwärmen, wenn die Rede auf SV plus kommt.
Erweiterte Eigenverantwortung und größere Selbstständigkeit sollen dazu beitragen, dass die Projektschulen ihrem Bildungs- und Erziehungsauftrag besser gerecht werden können. Entscheidungen sollen nach Möglichkeit dort getroffen werden, wo sie sich auswirken. Im Zentrum des Modellprojekts stehen die Qualitätsentwicklung des Unterrichts und die Verbesserung der schulischen Arbeit. Eng damit verbunden ist die pädagogische Weiterentwicklung der Schulen. "Dank dieses Projekts kann unsere Schule im Rahmen eines zugestandenen Budgets eigenständig auch über Fragen der Einstellung von Lehrkräften entscheiden. Dies ist wichtig, da wir so das Personal aussuchen können, das zum Profil der Konrad-Zuse-Schule passt und mit dem wir uns vorstellen können, unsere schulischen Ziele zu verwirklichen."
Die Durchführung von Projekten in den Handlungsfeldern wie zum Beispiel Qualitätssicherung, Finanzen, Personalenwicklung und Qualitätsentwicklung wird von einem Schulentwicklungsteam gesteuert, dem Herget als Gesamtprojektleiter vorsteht. Eine Verwaltungskoordinatorin unterstützt ihn in allen mit SV plus verbundenen Verwaltungsarbeiten. Der Schulleiter: "Voraussetzung für diese Teilnahme an dem Modellprojekt war die mehrheitliche Zustimmung der Gesamtkonferenz. Ich bin froh, dass das – im Vergleich zu anderen Schulen – doch recht junge Kollegium diese Entwicklung engagiert sowie sehr motiviert unterstützt und fördert, zumal so eine völlig neue Lernkultur geschaffen worden ist, die hessenweit Beachtung gefunden hat." Schlagworte sind hier das selbst organisierte Lernen und das Ermöglichen individualisierter Lernzugänge. Damit einhergehend verändern sich das Bewusstsein der Lehrkräfte und der Umgang mit den Schülerinnen und Schülern, von denen es derzeit über 1500 gibt. Sie werden unterrichtet von rund 100 Lehrkräften, wobei 72 Stellen zur Verfügung stehen.Passend zum 100. Geburtstag des Namenspatrons Konrad Zuse soll im Juni der Neubau eingeweiht werden, "wobei die Innengestaltung auch die erwähnte neue Lernkultur widerspiegeln wird", wie Herget betont. Alles werde variabel eingerichtet und nicht mehr vergleichbar sein mit den Frontal-Unterrichtsbedingungen der vergangenen Jahrzehnte. Gleiches gelte im Übrigen auch für die älteren Gebäude. Man sei froh, dass der Landkreis Fulda als Schulträger hier sowohl materielle als auch ideelle Unterstützung gewähre. Was Veränderungen angeht, so hält der Schulleiter weitere Neuigkeiten parat. Zum einen das Bistro, mit dem verschiedene Ziele verfolgt werden: Gesunde Ernährung und – im Rahmen des hessischen Programms zur Eingliederung in die Berufs- und Arbeitswelt (EIBE) – das Kennenlernen des gesamten Ablaufs vom Einkauf der Nahrungsmittel über die Zubereitung der Speisen bis hin zu deren Verkauf. Die geleistete Arbeit wird beim Verkauf "veröffentlicht", und die Kunden würdigen gute Qualität mit Wertschätzung. Darin liegt die Chance der Stärkung des Selbstwertgefühls. "Auch wollen wir unseren Schülerinnen und Schülern ein Stück Ess-Kultur und den Wert von Nahrung nahe bringen."
In das Spektrum Ernährung passt das Projekt "Hotellerie-Gastronomie-Fremdenverkehrswirtschaft". Um diese Fachrichtung soll nämlich die zweijährige Höhere Berufsfachschule an der Konrad-Zuse-Schule in Hilders zum Beginn des Schuljahres 2010/2011 erweitert werden. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit dem Verein "Rhöner Lebensmittel e.V." und dem Handwerkerhof Hilders durchgeführt; zum Start rechnet Herget mit einer tragfähigen Lerngruppe.„Sehr großes Interesse“ hat die Konrad-Zuse-Schule auch auf ihr Angebot hin registrieren können, ebenfalls zum Beginn des neuen Schuljahres eine berufsbegleitende Qualifikation als Erzieherin/Erzieher anzubieten. Das Ganze ist eingebettet in die Qualifizierungsoffensive des Bundes. Mit dem Angebot sollen dem Fachkräftemangel entgegen gewirkt und zugleich die sozialpädagogischen Aus- und Weiterbildungsangebote der Konrad-Zuse-Schule erweitert werden. So werden in Hessen zusätzlich 4000 Erzieherinnen und Erzieher benötigt. Bei einer Ausbildungsquote von rund 1500 Erzieherinnen und Erziehern ist das Erreichen des Ziels nur durch verstärkte Anstrengungen der Schulen möglich.
Viel Lob findet Herget für die partnerschaftliche Kooperation mit den Hauptschulen der Region, so die benachbarte Jahnschule und die Bardoschule in Fulda, und plädiert in diesem Zusammenhang für ein Gesamtkonzept auf Landesebene, um Hauptschule und berufliche Schule in einem gemeinsamen Bildungsgang zu verknüpfen. Das Ziel ist hierbei, die Schülerinnen und Schüler für eine Berufsausbildung zu befähigen. Für die Konrad-Zuse-Schule sei es als kleinere Berufsschule nötig, stets neue kreative Lösungen zu entwickeln, "um im Bereich der dualen Ausbildung die gute Qualität und den Kontakt zu den heimischen Betrieben zu halten und zu verstärken". Und weil man sich dem Namenspatron Konrad Zuse sehr verpflichtet fühlt, wird es am 26. Juni, nach der Einweihung des Neubaus am 25. Juni, einen Tag der offenen Tür geben, bei dem sich die Informationstechnologie präsentieren wird. Denn schließlich gibt es da noch das vom hessischen Kultusministerium geförderte Modellprojekt "ViLBe", das sich mit den Möglichkeiten des virtuellen Lernens in Berufsschulen befasst. Eine Entwicklung, die auch Herget "ganz spannend" findet. Gerade auch für seine Schule.
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